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Interviews

Warum sind ehemalige Berater heute so erfolgreich?

Junge Karriere
Ob in großen Unternehmen, als Existenzgründer oder in der Wissenschaft - Nach dem Motto "höher, schneller und weiter" kommen Ex-Berater beruflich oft zügiger vorwärts als andere. Warum das so ist? Junge Karriere hat sich unter erfolgreichen Ehemaligen umgehört, unter anderem auch bei Ebay-Chef Stefan Groß-Selbeck und Unternehmerin Sonja Stuchtey.
Stefan Weiß-Selbeck, Ebay-Chef DeutschlandFoto: © PR
"Spannende Projekte, Kontakte, Trendthemen - die Beratung steckt voller Chancen."
Stefan Groß-Selbeck, 39, Ebay-Deutschland-Chef, nutzte das Sprungbrett BCG.
In meinen drei Jahren als Berater habe ich mich ständig mit neuen Themen beschäftigt. Typischerweise sind die BCG-Auftraggeber Unternehmensvorstände. Aus ihrer Sicht werden Projekte bearbeitet. Oft geht es um Wachstumsstrategien oder Fusionen. Um selbst ein erfolgreicher General Manager zu werden, benötigt man diese CEO-Perspektive. Andererseits lernt man auch, für eine Lösung selektiv tief zu bohren. Was dagegen im Beraterjob fehlt, ist die operative Verantwortung. Erst die Mischung ist interessant für mich. Ich habe zwar Jura studiert, aber eine Aufgabe in der Wirtschaft hat mich besonders gereizt. Nach meinem Studium habe ich deshalb einen MBA gemacht, bevor ich in die Beratung ging. Von BCG warb mich einer meiner Kunden, die Kirch Intermedia, als Geschäftsführer ab. 2004 rief mich ein Ex-BCGler an, der zur europäischen Ebay-Zentrale wechselte, und informierte mich über seinen frei gewordenen Chefsessel in Deutschland. Eine Chance, die ich mir nicht entgehen ließ.

Die besten Jobs von allen

"In der Beratung konnte ich testen, was mir liegt. Ein gutes Grundgerüst für meine weitere Laufbahn."
Edgar Berger, 40, ist CEO von Sony BMG und startete einst bei Roland Berger.
Ich betrachte die Beraterzeit als Verlängerung des Studiums in die Praxis - sich auf hohem Niveau umschauen, die Analysefähigkeit schärfen, Lösungen erarbeiten. Mit der Medienbranche hatte ich in diesen ersten zwei Berufsjahren nichts zu tun, doch mein Interesse am Journalismus blieb. Seinen Beitrag im Fernsehen sehen: Das ist direkt erlebbar. Als Berater dagegen gibt man seinen Bericht ab und sieht vielleicht irgendwann die Umsetzung. So bewarb ich mich bei RTL und stellte fest, dass der Beraterjob Qualitätsnachweis ist. Nach sieben Jahren als Reporter und politischer Korrespondent konnte ich als Stratege bei Bertelsmann meine Erfahrungen aus Beratung und Medien zusammenbringen. Heute habe ich mit dem emotionalsten Medium überhaupt zu tun, der Musik. Die Bandbreite der Kontakte ist enorm: vom Künstler bis zur Handelskette, vom Mobilfunkanbieter bis zum Medienpartner in TV oder Print. Ich war nie der klassische Berater, der den Job ein Leben lang macht. Aber es war eine sehr gute Schule."Kontakte zu Kunden und Kollegen sind extrem wertvoll. Alumni-Treffen sind Kür, nicht Pflicht."
Matthias Braun, 44, ist Top-Manager bei Audi. Er kam von A.T. Kearney.
Je höher man in der Berater-Hierarchie aufsteigt, desto wichtigere Kundenkontakte bekommt man. Schon ein "Greenhorn", frisch von der Uni, redet mit Geschäftsführern. Wie aber kann es sein, dass der einen 25-Jährigen für voll nimmt? Berater ermitteln mit ihren Werkzeugen solche präzisen Daten zu Gewinn- und Verlustbringern, dass sogar Topmanager beeindruckt sind. Das habe ich selbst erlebt. Nach dem BWL-Studium stieg ich bei Bain & Company ein. Nach acht Jahren warb mich A.T. Kearney ab. Mein neues Team entwickelte für Audi die E-Business-Strategie. Um sie zu realisieren, holte mich der Vorstand nach Ingolstadt. Berater sind Top-Netzwerker - ohne ihre Kontakte könnten sie ihre zeitkritischen Aufträge gar nicht erledigen. Zwei- bis dreimal im Jahr gibt es Alumni-Treffen, und meine Ex-Arbeitgeber informieren per Mail, wohin einstige Kollegen wechseln oder welcher Kunde freie Stellen hat. Von meinen 50 bis 100 wichtigsten Kontakten versuche ich, pro Tag einen zu erreichen. Kontaktpflege ist auch im Vertrieb extrem wichtig.

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