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Frauen in MINT-Berufen
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Geschlechterklischees einreißen

Warum mehr Frauen in MINT-Jobs arbeiten sollten

von Tim Kummert, wiwo.de
Immer noch arbeiten nur 14 Prozent der Frauen in MINT-Berufen. In Offenburg wurde kürzlich eine Firma ausgezeichnet: Dort liegt der Anteil der Ingenieurinnen bei 50 Prozent.
"Im ersten Semester waren es noch 33 Prozent Frauen bei mir im Studiengang. Im Laufe der Zeit sind es dann aber weniger geworden", erzählt Gina aus Karlsruhe. Die 22-Jährige studiert Chemieingenieurswesen und Verfahrenstechnik am Karlsruher Institut für Technologie, ein sogenanntes MINT-Studienfach (Mathematik, Informatik und Technik). Sie findet: "Wenn eine Frau Kinder bekommen möchte, dann ist es für sie wesentlich schwerer, wieder in einen Ingenieursberuf einzusteigen, als wenn sie vorher verbeamtet wurde."

Ekaterina ist eine Kommilitonin von Gina und studiert Physik. Sie gehört zu den Jahrgangsbesten und sieht sich als "Vertreterin einer Minderheit". Die Anteile von Frauen bei Ingenieurs-Berufen steigen seit Jahren nur sehr langsam. Wann wird sich grundlegend etwas ändern? "Es wird nur dann besser werden, wenn die MINT-Berufe generell an Prestige gewinnen. Bisher gehört es selbst bei MINT-Förderern zum guten Ton von ‚Nerd-Förderung‘ zu sprechen, da fühlt man sich nicht ernst genommen", meint die 21-Jährige.

Studiengänge nur für Frauen

In einem Bericht der Agentur für Arbeit aus diesem Jahr geht hervor, dass etwa 7,3 Millionen Fachleute im Bereich der MINT-Berufe beschäftigt sind. 14 Prozent von ihnen sind Frauen, macht 1,02 Millionen. Einige Unis bieten mittlerweile sogar Studiengänge ausschließlich für Frauen an, beispielsweise an der Berliner Hochschule für Technik und Wirtschaft. Dort gibt es den reinen Frauenstudiengang "Informatik und Wirtschaft."

Initiativen wie "Komm, mach MINT", werben hierzulande für mehr Frauen in den MINT-Berufen. Die Bandbreite der Unterstützer ist groß: Von einzelnen Bundesländern über ver.di bis hin zur Daimler AG. Christina Haaf von der Initiative erklärt: "Mittlerweile engagieren sich über 190 Paktpartner im Rahmen von ‚Komm, mach MINT.‘" Das zeige das große Interesse der Unternehmen und Hochschulen, mehr Frauen für technische Berufsfelder und Studiengänge zu gewinnen.

Kompetenzen fördern, nicht verlieren

Auch an der Politik geht dieses Interesse nicht vorbei. Die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz, ein Zusammenschluss der zuständigen Minister und Senatoren der Bundesländer, bemängelt vor allem die fehlenden Aufstiegsmöglichkeiten: "Auch die aktuelle Datenerhebung belegt, dass Frauen immer noch an eine ‚gläserne Decke‘ stoßen." Die Unterrepräsentanz von Frauen an der Spitze der Wissenschaft sei nicht nur eine Frage der Chancengleichheit, sondern auch des Kompetenzverlustes für die Forschung.

Kompetenzverlust aufgrund mangelnder Ingenieurinnen? Das kennt Klemens Hampf nicht: Bei ihm in der Firma gibt es keinen Mangel an Frauen in MINT-Berufen. Hampf ist Geschäftsführer von Hampf Consult, einem kleinen Unternehmen in Offenburg. Das Ingenieursbüro hat sich auf die Überprüfung von Brücken spezialisiert und unter Anderem die beiden großen Brückentests im Auftrag des ADAC übernommen.

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