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Investment Punk: Gerald Hörhan
Screenshot: http://investmentpunk.com
Investment Punk

Warum immer die Weicheier Karriere machen

Lin Freitag, wiwo.de
Er trägt Jeansweste mit Aufnähern und fährt einen Aston Martin. Er geht gerne auf Heavy-Metal-Festivals und hat in Harvard Mathematik studiert. Er bezeichnet sich selbst als Punk und arbeitete für JP Morgan als Investmentbanker. Gerald Hörhan ist Unternehmer, Dozent und Autor. Am Freitag erscheint sein neues Buch "Null-Bock-Komplott", in dem er erklärt, "warum immer die Weicheier Karriere machen". Im Interview lässt der österreichische Multimillionär seiner Wut freien Lauf.
In Ihrem ersten Buch haben Sie die Mittelschicht beschimpft, im zweiten Werk attackieren Sie die Jugend. In Ihrem neuen Buch "Null-Bock-Komplott" wettern Sie gegen den Kontrollstaat. Warum sind Sie so wütend?

Der Kontrollstaat schränkt die Freiheiten seiner Bürger massiv ein und schwächt die Wirtschaft mit unnützen Regeln. Als ich das letzte Mal zusammen mit meiner Mutter nach Frankfurt geflogen bin, wurden wir behandelt wie Terroristen. Und das nur, weil meine 75-Jährige Mutter ein paar Medikamente dabei hatte. Sie musste sich am Check-in halb ausziehen. Solche Regeln sorgen doch nicht für mehr Sicherheit, die blockieren nur.

Gilt das auch für die Regeln in Unternehmen?

Gute Leute sind gut darin Leistung zu erbringen, sind aber oft schlecht darin Regeln einzuhalten. Ich habe einen Bekannten, einen Bayer, der gerne frisst, säuft und vögelt. Er ist aber auch ein fantastischer Verkäufer. Nachdem er mit ein paar Geschäftskunden ein Wochenende auf einem Landgut verbracht hatte, kam ihm die Verhaltensabteilung auf die Spur. Diese Abteilung verfasste einen 105 Seiten langen Bericht über diesen Ausflug. 105 Seiten.

Sind Regeln per se schlecht?

Nein. Jeder Staat braucht Gesetze damit er funktionieren kann. Aber in den letzten fünf bis sieben Jahren hat die Regulierungswut eine neue Dimension erreicht. Der Staat versucht mit vielen Gesetzen, seine Bürger zu erziehen. Er traut ihnen nicht mehr zu, selbst Entscheidungen zu treffen. Ein Beispiel. Früher gab es die sinnvolle Regel: Sorge dafür, dass dein Hund niemanden beißt. Sollte er es doch tun, erwartet dich folgende Strafe. Mittlerweile versucht der Staat alles zu tun, dass dein Hund gar nicht mehr in die Lage kommen kann, jemanden zu beißen.

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