Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche
Gehälter

Warum Frauen weniger verdienen

Elisabeth Niejahr / Zeit.de
Frauen verdienen weniger als Männer - eine Tatsache, die seit langer Zeit Bestand hat, und in Deutschland besonders ausgeprägt ist. Doch warum bekommen sie weniger Gehalt? Die Gründe liegen zwischen sozialer Rolle und Steuergesetzgebung.
Immer noch gibt es deutliche Gehaltsunterschiede zwischen Frauen und MännernFoto: © Mellimage - Fotolia.com
Einen der amüsantesten und klügsten Beiträge zum Feminismus hat die britische Buchautorin Allison Pearson mit ihrem Bestseller "Working Mum" geliefert. Gleich auf den ersten Seiten geht es um den weiblichen Orgasmus. Kate Reddy, erfolgreiche Fondsmanagerin in der Londoner City, Babyboomerin und Mutter von zwei kleinen Kindern, steht um fünf Uhr morgens in der Küche und streut eine extradicke Schicht Puderzucker über einen aufgetauten Tiefkühlkuchen. Bei der Schulparty soll keiner merken, dass sie keine Zeit zum Backen hatte. Die Generation ihrer Mutter habe zwar noch frischen Kuchen mitgebracht, aber dafür Orgasmen simuliert, grübelt Reddy in der Küche. Heute sei der Kuchen nicht echt, der Orgasmus aber schon. Aber ob das schon Fortschritt bedeute?Die Geschichte von Kate Reddy, mittlerweile verfilmt und in 27 Sprachen übersetzt, ist eine lustige Chronologie einer notorischen Überforderung. Sie taugt erstaunlich gut als Beitrag zum Streit um den Feminismus, den die Familienministerin Kristina Schröder vor ein paar Wochen mit einem Interview losgetreten hat. "Working Mum" liefert nämlich zwei unterschätzte Einsichten.

Die besten Jobs von allen

Frauen sind AkteureErstens: Frauenleben sind heute nicht unbedingt einfacher als früher, und das liegt gerade an der Behauptung, alles sei möglich. Reddys Leben mit verständnisvollem Partner, Nanny und gutem Gehalt könnte einem Lehrbuch zum Gender-Mainstreaming entstammen, trotzdem endet der Roman bitter und unfeministisch, denn am Ende gibt die Heldin auf. Die zweite Einsicht lautet, dass nicht nur böse männliche Chefs, sondern Frauen selbst Entscheidungen fällen, die in der Summe zu weniger Chefinnen führen. Auch kluge, erfolgreiche Akademikerinnen wie Kate Reddy steigen aus oder gar nicht erst richtig ein. Sie sind nicht naiv, sondern wägen Optionen ab.Die Barrieren für Frauen werden unterschätzt – die Neigung von Frauen, diese Barrieren zu überschreiten, allerdings auch. Im Grunde ist beides eine Angelegenheit für Ökonomen. Ihre Daten zeigen, wie wenig sich ändert – und sie liefern die passenden psychologischen Erklärungen. Der wirtschaftliche Ansatz gefällt sogar Frauenforscherinnen, weil er Frauen als selbstbestimmte und rationale Akteure sieht. Denn wer Frauen unterstellt, dass sie nicht wissen, was sie wollen, nehme sie nicht ernst und betreibe "eine Form der Infantilisierung", schreibt die kanadische Psychologin Susan Pinker. Wer sich ihre Statistiken zu Gehaltsunterschieden, Rentenprognosen und Karrieremustern anschaut, kann gar nicht daran zweifeln, dass es noch jede Menge Arbeit für Feministinnen gibt.

Fair Company | Initiative

 

Themen im Überblick