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Wolfgang Gutberlet

"Wachstum ist nicht mein Ziel"

Til Knipper
Wolfgang Gutberlet ist Chef der Tegut-Gruppe, die 1982 als erste Supermarktkette biologisch erzeugte Lebensmittel ins Sortiment aufnahm. Der "Ökomanager des Jahres 2005" berichtet über seine Anfänge als Bio-Pionier, Mozarts Rolle bei der Reifung der Würste und den ultimativen Karrieretipp von Theodor Storm.
Wolfgang Gutberlet setzt sich für die biologische Erzeugung von Lebensmitteln einFoto: © Bert Bostelmann / bildfolio
Herr Gutberlet, in Ihrer Großmetzgerei spielt ein Streichquartett den fermentierenden Würsten regelmäßig Bach und Mozart vor. Warum? Wir wissen, dass die Fermentation ein unglaublich empfindlicher Prozess ist. Man kann beobachten, dass die Würste auf die Menschen reagieren, die sich in diesen Räumen aufhalten. Warum nicht auch auf Musik? Das haben schon andere probiert, und wir haben diese Idee aufgenommen.

Die besten Jobs von allen

Warum nur Mozart und Bach und nicht Hiphop oder Schlager?Ich greife gerne auf bewährte Dinge zurück. Zeit ist da ein guter Filter. Bachs und Mozarts Musik haben einen so starken Eindruck hinterlassen, dass sie bis heute existiert.Was entgegnen Sie Wissenschaftlern, die sagen, dass es nichts bringt?Die Wissenschaft ist wichtig und gut, aber ich lasse mir von ihr nicht das Denken, Beurteilen und Forschen abnehmen. Man lebt als Mensch in drei Welten und ist -mit unterschiedlichen Schwerpunkten in den verschiedenen Lebensabschnitten- immer Forscher, Macher und Lehrer. Die Sache mit der Musik gehört zu meinen Forschungsaktivitäten.Sie waren der Erste, der in Supermärkten Bio-Produkte angeboten hat. War das eine Lehreraktivität?Nein, Anfang der 80er-Jahre war ich noch nicht in meiner pädagogischen Phase.Da waren Sie noch Macher? Als ich aus dem Studium ins väterliche Unternehmen kam, hatte ich mir bestimmte Themen vorgenommen: Wie geht man im Unternehmen mit Kapital um? Wie bildet man eine funktionierende Arbeitsgemeinschaft? Ist das, was wir verkaufen, eigentlich wert verkauft zu werden? Auf der Suche nach Qualität bin ich dann auf Bio-Podukte gestoßen. Es hat mich fasziniert, dass man bessere Lebensmittel erhält, wenn die Pflanzen und Tiere artgemäße Lebenserfahrungen gemacht haben.War es schwierig, entsprechende Lieferanten zu finden?Ja, es gab zunächst viele Gegner der Idee. Viele Lieferanten hatten nichts, die anderen wollten es uns nicht geben. Warum? Aus ideologischen Gründen. Die Zirkel der Reformhausbewegung wollten die Bio-Lebensmittel für sich reservieren.Und im Unternehmen, gab es da große Widerstände? Mein Vater hat mir freie Hand gelassen, aber es gab viele, auch in der Geschäftsleitung, die darin einen völlig unsinnigen Versuch sahen und prophezeiten, dass der Kunde daran kein Interesse habe. Widerstand gibt es aber immer. Das darf einen nicht abhalten. Es kann auch ein Zeichen sein, dass man auf der richtigen Spur ist.Wie haben die Kunden reagiert? Zuerst gar nicht. Ich habe damals gelernt, dass die Kunden Dinge erst dann annehmen, wenn die Mitarbeiter von den Neuheiten überzeugt sind. Das hat eine Weile gedauert. Mittlerweile haben wir im Gesamtsortiment einen Bio-Umsatzanteil von 20 Prozent, was sehr viel ist.War die Einführung der Bio-Produkte im Sortiment wichtig dafür, dass sich Tegut gegen die großen Konkurrenten als eigenständige Kette halten konnte? Nein, ich bin jetzt seit 1973 Vorsitzender der Geschäftsführung. Wir entwickeln seitdem laufend neue Dinge. Man macht als Unternehmen in einem so langen Zeitraum Dinge, die gut ankommen, man landet aber auch Flops. Beides kommt leider immer wieder vor.

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