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Den Vorurteilen den Kampf anzusagen, ist nicht leicht.
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Umgang mit Kollegen

Vorsicht Schubladendenken!

Kerstin Dämon, wiwo
Unbewusste Vorurteile haben großen Einfluss auf Erfolg oder Misserfolg eines Betriebes. Das wissen auch die Unternehmen. Den Vorurteilen den Kampf anzusagen, ist allerdings nicht leicht.
"Als junge Führungskraft habe ich jedes Mal, wenn eine Bewerberin um die 30 vor mir saß, gedacht: Wann die wohl schwanger wird und ausfällt?", erzählt Jan Ising, der bei der Unternehmensberatung Accenture für das Pharma- und Biotech-Geschäft zuständig ist. Mit dieser Einstellung war er sicher nicht alleine. Es hat seine Gründe, warum Personaler im Vorstellungsgespräch nicht nach Schwangerschaft und Kinderwunsch fragen.

Heute, mit 42 Jahren, denkt Ising darüber nicht mehr nach. "Mir ist völlig bewusst, dass jeder, der sich bewirbt, wegen irgendetwas für kurze oder längere Zeit eine Auszeit nehmen kann und wird." Geschlecht egal.

Talente werden übersehen und aussortiert

Bis zu diesem Erkenntnisgewinn war es für Ising jedoch ein Prozess. Einer, den auch die europäischen Mitarbeiter des global agierenden Unternehmens nun durchlaufen sollen. Denn solche unconscious bias, unbewusste Vorurteile, können einem Unternehmen schaden. Hätten Isings Vorbehalte aus jüngeren Jahren dazu geführt, dass er keine Frauen unter 50 Jahren eingestellt hätte, er hätte sich den Fachkräftemangel selbst gemacht und seinem Arbeitgeber ein negatives Image beschert.

Der New Yorker Professor Michael Kimmel hat in seinen Studien nachgewiesen, dass derartige Annahmen, die aufgrund der Optik oder des Geschlechts des Gegenübers entstehen und sich auf Fähigkeiten und Kompetenzen beziehen, im Arbeitsleben Probleme machen. Wahlweise, weil man den Talentpool dadurch künstlich verringert oder Kunden, Bewerber und potenzielle Partner verschreckt.

Vorurteile sind fest in uns verankert

Ganz davon abgesehen hat man mit einer derartigen Einstellung auf dem globalen Markt keine Chance. Wer davon ausgeht, dass alle Amerikaner dumm und alle Asiaten Streber sind, geht ganz anders, nämlich mit einer negativen Grundeinstellung auf Amerikaner und Asiaten zu.

Die Schwierigkeit: "Ich kann mich dem nicht entziehen", sagt Ising. "Wenn ich jemanden sehe, ordnet mein Gehirn den aufgrund unterschiedlichster Information irgendwie ein." Das an sich sei gar kein Problem, so lange man sich dessen bewusst sei und sich immer frage: "Welche Vorurteile sind in meinem Kopf drin und wie beeinflussen diese mein Handeln?"

Stereotypen aus den Köpfen und der Unternehmenskultur zu bekommen, ist schwer, sagt auch Soziologe Kimmel. Das Einsortieren anderer Menschen in Schubladen gehört zu unserer DNA. Ohne die Einteilung in "Freund" und "Feind" wären wir nicht überlebensfähig.

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