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Ortswechsel

Vor der Fußball-WM: Eine Stadt erwacht aus dem Tiefschlaf

Wolfgang Drechsler
Bloemfontein hat einen berühmten Sohn: "Herr der Ringe"-Autor J.R.R. Tolkien. Ansonsten gilt die Stadt der Buren im Herzen Südafrikas als langweilig. Doch nun naht die WM - und Bloemfontein ist einer der Spielorte. Der Handelsblatt-Korrespondent war dort.
Schönes Afrika: Die erste Fußball-WM auf dem schwarzen Kontinent naht.Foto: © marvellousworld - Fotolia.de
Südafrika macht sich bereit für die Fußball-WM 2010. Doch in Bloemfontein ist es noch ruhig. Wie friedlich war doch der Einflug: Keine Wolke am weiten Firmament, mannshohe Maisfelder, ein paar gut gefüllte Farmdämme - und plötzlich war man mitten in dieser ländlichen Idylle, in Bloemfontein, der Kapitale der südafrikanischen Zentralprovinz Free State und Spielort der WM. Flug SA 1073 aus Kapstadt war offenbar der einzige, der an diesem Vormittag hier landete, weit und breit war kein anderes Flugzeug zu sehen.Draußen vor dem Terminal wird es jedoch lauter. Bohrmaschinen kreischen, Presslufthämmer rattern, Baustaub wirbelt über den Parkplatz. Gleich neben der Ankunftshalle liegt eine Baustelle hinter der eine elektronische Anzeigentafel mit einer Zahl montiert wurde: "22" days to go, heißt es dort. Der Countdown zählt die Tage bis zur WM-Eröffnung am 11. Juni. Beim Autoverleih läuft es weniger rund: Der von Gustaf offerierte Kia ist das einzige saubere Auto, hat aber diverse Kratzer am Lack und abgefahrene Vorderreifen.

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Zum Glück wird gerade ein Auto zurückgebracht - mit Reifen, die etwas mehr Profil haben, aber auch mit einer dicken Lage Kalahari-Sand. Doch die gehört in Südafrika mit seinen vielen Staubstraßen beim Autofahren fast schon zum guten Ton. J.R.R. Tolkien und einige Antilopen. Um den Flughafen das gleiche Bild: überall ist das Straßenpflaster aufgerissen.Die Strecke in die City wird zum Hindernisparcour. Frisch geteert wird die President Brand Street, die wohl geschichtsträchtigste im ganzen Land. Sie steht komplett unter Denkmalsschutz - vom Rathaus mit seinen Teichanlagen bis hin zum ältesten erhaltenen Gebäude, dem First Raadsal. Unter Südafrikanern gilt die "Stadt der Buren" dennoch als langweilig, weil sie außer einem kleinen Hügel, von dem aus man die Stadt überblicken kann und an dessen Abhang Antilopen grasen, wenig Abwechslung bietet.Immerhin wurde J.R.R. Tolkien, der Autor von "Herr der Ringe" hier geboren - und später gnadenlos vermarktet. Wer etwas erleben will, fährt am besten an die Autobahn und zählt dort die vorbeiröhrenden Trucks, witzelt Lynette, die Managerin des Guest House. Bis heute ist die Stadt an der Blumenquelle für viele Südafrikaner nicht mehr als ein Tankstopp auf der 1500 Kilometer langen Fahrt von Kapstadt aufs Highveld nach Johannesburg.Lesen Sie mehr zum Thema "Afrika":
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Dieser Artikel ist erschienen am 20.05.2010

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