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Wunderkarten.de

Von der Idee zum Produkt

Tanja Könemann
Ein Produkt auf den Markt bringen – das gleicht einem Sprint. Das Feedback der Kunden ist für die Entwickler dabei besonders wichtig. Das Beispiel von Wunderkarten.de zeigt, wie Gründern der Markteintritt gelingt.
Gründer können von den Innovationen anderer profitierenFoto: © Mark Poprocki - Fotolia.com
Peter Stiller gab ein rasantes Tempo vor. Im Dezember 2008 entdeckte der Gründer und Geschäftsführer der Ecards and More GmbH das amerikanische Internetportal Tinyprints.com. Dort können Nutzer Grußkarten selbst gestalten und als gedruckte Karte bestellen. Der 30 Jahre alte Diplom-Kaufmann war überzeugt: So etwas würde auch hierzulande funktionieren.„Imitatorische Innovationen machen mehr als 90 Prozent der neuen Produkte aus“, sagt Professor Heinz Klandt, Inhaber des Lehrstuhls für Entrepreneurship an der European Business School. Gründer könnten dabei von den Erfahrungen anderer profitieren. „Allerdings ist ein solches Produkt nur dann erfolgreich, wenn kein anderes Unternehmen den Markt bereits besetzt hat.“

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Aus diesem Grund gab sich Peter Stiller lediglich drei Monate, um in Deutschland mit einer ähnlichen Seite wie Tinyprints.com zu starten. Dem Gründer war klar: Ein so rascher Markteintritt gelingt nur dann, wenn er sich auf das Wesentliche konzentriert. Stiller nahm sich drei Punkte vor: Produkt, Marketing und Service – und setzte dabei weitere Prioritäten.„Bei E-Commerce-Unternehmen fängt das Produkt mit der Internetseite an“, sagt Stiller. Und für die musste zunächst einmal ein einprägsamer Name her. Den fand sein Bruder Tomas – der Informatiker und Mitgründer von Ecards and More schlug Wunderkarten.de vor.Produkte im Netz zu verkaufen – das funktioniert nur dann, wenn die Seite möglichst einfach zu bedienen ist und zuverlässig funktioniert, sagt Heinz Klandt. „Wenn der Kunde zehn oder 20 Minuten lang versucht, eine Ware zu bestellen, und dann nicht weiterkommt, sucht er sich beim nächsten Mal gleich einen anderen Anbieter.“Die Stiller-Brüder nahmen sich deshalb Zeit für ausführliche Tests: Zunächst sollten alle neun Mitarbeiter des Team selbst etwas bestellen, während die Gründer still daneben saßen und notierten, wo es hakte. Danach prüften Familienmitglieder und Freunde die Seite. Informatiker Tomas Stiller änderte anschließend die Stellen, an denen zu befürchten war, dass potenzielle Kunden den Bestellvorgang abbrechen.Kundenservice hat bei Wunschkarten.de eine hohe PrioritätAuch beim Marketing sollte sich auf das für ein E-Commerce-Unternehmen Wesentliche konzentriert werden. Peter Stiller investierte in Google Adwords – zum Markteintritt erschien bei jedem User, der über Google Einladungskarten suchte, eine Anzeige, die auf Wunderkarten.de hinwies. Auch die Suchmaschinenoptimierung der Seite trieb Stiller Wochen vor dem Launch voran. Mittlerweile zählt Wunderkarten.de bei der Suche nach Einladungskarten zu den ersten angezeigten Treffern.Als drittes Standbein entschied sich der Gründer für das sogenannte Affiliate-Marketing: Er stellte anderen Webseitenbetreibern Werbemittel wie Bannerwerbung oder Textlinks zur Verfügung und beteiligte sie an den abgeschlossenen Geschäften, wenn Kunden von deren Seiten zu Wunderkarten.de gelangten. Bei der Öffentlichkeitsarbeit beschränkte er sich darauf, eine Pressemitteilung zu verschicken.Mehr Wert legte Stiller darauf, einen ähnlich guten Service zu bieten wie Tinyprints.com. Das US-Portal hatte ihn bei einem Testkauf beeindruckt. Beim Personalisieren seiner Karte hatte er ein unscharfes Foto hochgeladen und erhielt prompt zwei Tage später einen Anruf aus Übersee mit der Bitte, eine Aufnahme in höherer Qualität zur Verfügung zu stellen. „Ich war total begeistert und wusste: Das brauchen wir auch“, sagt Stiller.So sollte Wunderkarten.de bereits zum Start eine kostenlose Hotline bieten sowie eine Kundenberatung per E-Mail. Auf die geplante Liveberatung verzichteten die Brüder zunächst; über ein Chatprogramm sollten die Kunden in Echtzeit mit den Servicemitarbeitern kommunizieren können.Bei den Grußkarten wollte Stiller keine  Abstriche machen, denn es gab bereits Konkurrenten am Markt, die er überholen wollte. „Wenn ich ein Produkt einführen will, das es bereits gibt, muss ich mich deutlich von den anderen Anbietern abheben“, sagt Entrepreneurship-Experte Klandt. Stiller sah sich deshalb sein US-Vorbild und die deutschen Rivalen genau an. Er entschied: Der Preis sollte auf gleichem Niveau bleiben, zehn bis 500 Karten sollten zwischen 1,29 Euro und 2,19 Euro pro Stück kosten.Einen Vorsprung vor den Konkurrenten sollten Designermotive verschaffen, ein besserer Druck, festerer Karton, ein größeres Format und mit Seidenfutter ausgekleidete Umschläge.Peter Stiller und sein Team konnten den gesetzten Termin einhalten. Wunderkarten.de ging wie geplant im Februar 2009 online. Dem Gründer, der sich selbst als Perfektionisten bezeichnet, fiel es nicht leicht, zunächst auf weitere Features und Aktionen zu verzichten. Deshalb arbeiteten er und sein Bruder Tomas auch nach dem Start ihre große To-do-Liste weiter ab. Ein Ergebnis: Mittlerweile können Kunden das Chattool für die Liveberatung nutzen.

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