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Psychische Erkrankung bei Vorgesetzten
Foto: Jürgen Fälchle/Fotolia.com
Burn-out

Von der Chefetage in die Psychiatrie – und zurück

von Kristin Schmidt , wiwo.de
Rüdiger Striemer, Vorstand beim IT-Dienstleister Adesso, hat nach einer psychischen Erkrankung wieder den Weg ins Top-Management geschafft – auch mit Unterstützung seines Aufsichtsrats Volker Gruhn. Welche Situationen beide als besonders knifflig empfanden. Und was sich seit Striemers Auszeit für beide geändert hat.
Herr Striemer, es ist Freitagmorgen, kurz nach halb neun. Was haben Sie heute schon alles erledigt?

Gefrühstückt habe ich um sieben Uhr und dann drei Telefonate geführt, die von gestern übrig geblieben sind.

Das klingt nicht so, als hätten Sie Ihr Pensum nach der Rückkehr aus der Psychiatrie heruntergefahren.

Nein, die Stundenanzahl ist dieselbe. Aber ich versuche, nicht mehr so viele unterschiedliche Themen in kurzer Zeit zu bearbeiten. Telefonkonferenzen im Viertelstundentakt sind für mich heute tabu. Alle halbe Stunde zu einem jeweils anderen Thema zu konferieren ist schon genug. Aber auch das mache ich nicht mehr von morgens bis abends.

Warum hat Sie dieses Tempo belastet?

Weil ich nichts mehr zu Ende denken konnte, mich in kürzester Zeit mit einem Problem beschäftigen und dann eine Entscheidung treffen musste. Wenn man nichts mehr zu Ende denkt, dann bleiben am Ende des Tages zu viele Fragen offen, die unbeantwortet weitergären.

Hat das zu Ihrem Burn-out geführt?

Das Burn-out war bei mir eine Angststörung. Burn-out hat immer so einen heldenhaften Anstrich. Da hat einer fürs Unternehmen alles gegeben, und jetzt ist er ausgebrannt. Aber das ist oft nur die halbe Wahrheit. Meine Arbeitsbelastung war sicher nicht der alleinige Auslöser dafür. Psychische Störungen hängen oft sehr eng zusammen mit nicht verarbeiteten Dingen aus der Vergangenheit – in meinem Fall mit dem frühen Tod meiner Mutter. Ich war elf Jahre alt, als sie nach langer Krankheit starb. Diese verdrängten Erlebnisse wollen irgendwann raus, und der Prozess wird beschleunigt, wenn ausgerechnet dann eine hohe psychische Belastung im Beruf dazukommt.

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