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Karriereerfolg – von den Affen lernen
Der Affenversteher: Dominic-Nicolas Gansen-Ammann. Der 33-jährige Wirtschaftspsychologe von der Kölner Fachhochschule Fresenius erforscht, was man für den Karriereerfolg von den Affen lernen kann.Foto: Hochschule Fresenius/Ute Heinze
Tierische Karrieretipps

Von den Affen lernen

Anne Ritter
Klüngelnde Kollegen, drohende Chefs: Im Büro geht es nicht anders zu als im Affenhaus – und genau das sollte beherzigen, wer schnell aufsteigen will. Der Wirtschaftspsychologe Dominic-Nicolas Gansen-Ammann entschlüsselt Karrieretipps von Affen.
Von diesen Bonobos sollen Menschen sich nun Tipps für den Joballtag abschauen? Das muss Dominic-Nicolas Gansen-Ammann, Wirtschaftspsychologe von der Kölner Fachhochschule Fresenius, den Zuhörern genauer erklären. Die haben sich zur Wissenschaftswoche im Tropenhaus des Kölner Zoos versammelt. Wissenschaft an spannenden und ungewöhnlichen Orten kennenzulernen – das ist das Ziel der Kölner Wissenschaftswoche.

Kameras und Mikrofone sind auf das Affengehege gerichtet. Davor steht Gansen-Ammann im schicken blauen Anzug mit schlammfarbenen Designerschuhen, während im Hintergrund die Affen toben. Die schwüle Tropenhitze liegt klamm in der Luft. Er muss laut sprechen, um gegen das Gekreische der Affen und Vögel anzukommen: "Chefs, Kollegen, Angestellte – jeder kann von den Affen lernen."

Affenstarke Verwandtschaft

Schimpansen und Bonobos, Gorillas sowie Orang-Utans sind am engsten mit dem Menschen verwandt. Vor etwa 5,5 Millionen Jahren haben sich diese affenartigen zu eher menschartigen Wesen weiterentwickelt. "Aus evolutionspsychologischer Sicht ist das ein Katzensprung", so Gansen-Ammann. Das menschliche Gehirn ist dem des Menschenaffen sehr ähnlich und in seiner Struktur etwa 100 Millionen Jahre alt. Archaische Führungsqualitäten wie Dominanz, Macht und Stärke sind deswegen auch in Zeiten der Digitalisierung und Wissensgesellschaft noch aktuell.

Wenn zwei bis drei Menschen aufeinandertreffen, entstehen – genau wie bei den Menschenaffen – gruppenspezifische Hierarchien und Verhaltensmuster. "Das kann man kulturell überformen, aber entziehen kann man sich dem nicht", meint Gansen-Ammann. Überrascht hat ihn, dass Affen beim Kampf um Macht und Einfluss tatsächlich Allianzen bilden: Wenn zwei Männchen um die Alpha-Position buhlen, suchen sie sich dafür Unterstützer innerhalb ihrer Gruppe. "Das Männchen, dem es gelingt, die größere und stabilere Allianz von Unterstützern aufzubauen, übernimmt auch die Führung des Rudels." Das bedeutet, nicht der größte und stärkste Oberaffe gewinnt, sondern der mit dem meisten Einfluss: Er steigt über sein soziales Netzwerk in der Rangordnung auf.

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