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Interview zu Kündigung und Gegenangebot

"Vom Zocken würde ich abraten"

Interview: Anne Koschik
Wenn Mitarbeiter kündigen, ist das manches Mal wie ein Schlag ins Gesicht des Arbeitgebers – dann nämlich wenn Beschäftigte mit besonderen Aufgaben, Fachkräfte mit Spezialwissen oder Führungskräfte das Unternehmen verlassen wollen. In Zeiten des zunehmenden Fachkräftemangels machen Personaler den Wechselwilligen immer häufiger Gegenangebote. Sollten Mitarbeiter jetzt zugreifen, ihre Forderungen höher schrauben oder lieber bei ihrer getroffenen Entscheidung bleiben? HR-Berater Ulrich Jordan, Ex-Personalvorstand der Targobank, sagt, worauf es ankommt.

Foto: Kzenon/Fotolia.com

Bei Gegenangeboten reagieren Mitarbeiter, die den Arbeitgeber wechseln wollen, verstärkt positiv: Rund ein Drittel lässt sich zum Bleiben bewegen, hat eine aktuelle Studie des Personaldienstleisters Robert Half herausgefunden. Deswegen nutzen Unternehmen diese Angebote zunehmend auch als Instrument der Personalbindung. Wann sollte sich ein Mitarbeiter darauf einlassen?

Zunächst einmal wird er sich überlegen müssen, was ihn zur Kündigung veranlasst hat: Waren es die Arbeitsplatzbedingungen, die Verdienstmöglichkeiten, die Unternehmenskultur? Und: Hat er seine Probleme überhaupt schon mal adressiert? Falls nicht, bietet ein Gegenangebot des Unternehmens sicher die Gelegenheit dazu. Geht es nur um die finanzielle Seite, kann ein Gegenangebot sehr attraktiv sein.
HR-Berater Ulrich JordanFoto: Jordan-Consulting
Stehen aber andere Probleme im Vordergrund, die die Unternehmensphilosophie oder -strategie betreffen, die Arbeitszeit oder Chefs, die Wertschätzung gegenüber den Mitarbeitern vermissen lassen, ist es für den Mitarbeiter sicher besser, an seinem Entschluss festzuhalten. Denn solche Probleme lassen sich nicht ad hoc beseitigen und werden die Unzufriedenheit noch weiter steigern.

Beim Gehalt könnte der Mitarbeiter jetzt aber pokern?

Vorsicht! Er sollte sich natürlich darüber im Klaren sein, dass ein Gegenangebot eine schwere Hürde für den Arbeitgeber ist, der durch die Kündigung auch eine Verletzung erfahren hat. Natürlich ist das Gegenangebot als eine Form der Wiedergutmachung zu verstehen.

Aber eine Basargeschichte sollte es dann doch nicht werden.



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