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Finanzbranche

Vom Neuen Markt zur Bank des Vertrauens

Vivien Leue
Mit dem Online-Broker Consors rüttelte Karl Matthäus Schmidt 1999 die Branche auf. Dann brach der Neue Markt zusammen. Mit der Quirin Bank will er den etablierten Großbanken erneut die Zähne zeigen - indem er auf Vertrauen setzt.
Karl Matthäus Schmidt ist Vorstandssprecher der Quirin BankFoto: © Tobias Kruse
Wie ein poliertes Whiskeyglas steht das Gebäude da am Ende des Kurfürstendamms - ein kleiner, siebenstöckiger Bankenturm in der Hauptstadt. Von hier aus will Karl Matthäus Schmidt die Großen in Frankfurt das Fürchten lehren. Die Bankenbranche zu revolutionieren - so unbescheiden ist sein Ziel. Einmal hat er das bereist geschafft. Mit 25 Jahren hob er den Online-Broker Consors aus der Taufe und führte ihn zum Erfolg. 1999 war das Unternehmen an der Börse 4,5 Milliarden Euro wert - und der Banker gerade erst 30 Jahre alt.Zehn Jahre später ist Consors für ihn Geschichte. Karl Matthäus Schmidt sitzt in seiner neuen Bank und möchte viel lieber über gute Vermögensberatung reden als über seine früheren Erfolge am Neuen Markt. Consors gehört für ihn längst der Vergangenheit an. "Ich bin ein Typ, der eher in die Zukunft schaut als zurück", sagt der jugendlich wirkende 40-Jährige. Seit knapp drei Jahren ist Schmidt Vorstandssprecher der Quirin Bank - einer Berliner Privatbank mit bundesweit 13 Filialen.

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Schmidt hofft auf wechselwillige BankkundenSchmidt schaut aus dem siebten Stock auf den regen Hauptstadtverkehr. Mit seinem offenen Hemd, der Nickelbrille und seiner ruhigen, fast zurückhaltenden Art könnte er auch als Muster-Lehrer durchgehen. "60 Prozent der Menschen sind bereit, ihre Bank zu wechseln", sagt er. Im Auftrag der Quirin Bank hat ein Marktforschungsunternehmen diese Zahl ermittelt. Schmidt hofft, dass viele Wechselwillige zu ihm kommen. Er lockt sie mit der Aussicht auf eine ehrliche Bankberatung, fernab von provisionsgesteuertem Verkaufsdruck.Das Konzept seiner Bank hat Schmidt in eine rote Quirin-Bibel geschrieben. "Die neuen Gesetze des Private Banking" heißt das Werk. Es enthält zehn Paragrafen. Schon Nummer eins klingt wie eine Provokation: "Vorsicht Bank! Wie Banken heute ihren eigenen Wohlstand vermehren. Und wie Sie dieses Spiel durchschauen können." Paragraf vier erklärt, was die Quirin Bank anders macht: "Sämtliche Ausgabeaufschläge, offene und versteckte Provisionen sowie von Banken verschwiegene Kick-Backs werden ab sofort dem Kundenkonto gutgeschrieben." Was noch darin steht: Für alle Beratungsleistungen und Kontogebühren fallen 75 Euro im Monat an, im Erfolgsfall ist die Bank mit 20 Prozent am Gewinn beteiligt. Zielgruppe sind Vermögen ab 50000 Euro."Wir schaffen eine völlig neue Kategorie von Bank", sagt Schmidt. Das klingt frech und überheblich. Und es passt so gar nicht zu dem Mann, der sich sichtlich entspannt in seinem Stuhl zurücklehnt und mit ruhiger Stimme über sein Konzept spricht. Doch auch das ist Schmidt: der selbstbewusste Unternehmer. Der Mann, der bereits als Student den Großbanken die Stirn bot. Vielleicht liegt es an seiner Herkunft, dass Schmidt keine Angst zu haben scheint vor den Großen im Business.

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