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Avatare

Vom Mauerblümchen zur vollbusigen Amazone

Jochen Mai, wiwo.de
Viele Nutzer motzen ihr Erscheinungsbild im Internet auf, erschaffen ein virtuelles Super-Ego. Das beeinflusst nicht nur die Wahrnehmung der anderen, es verändert auch die eigene Persönlichkeit.
 Foto: A. Bombe/Pixelio

Digitales Super-Ich

Computerspiele und Social-Media-Plattformen bieten ihren Nutzern inzwischen eine große Auswahl an digitalen Stellvertreterfiguren – sogenannte Avatare. Diese lassen sich nicht nur äußerlich an das eigene Erscheinungsbild anpassen, auch Charakterzüge und Fähigkeiten können – je nach Plattform – nach eigenen Vorstellungen aufgemotzt werden.

So entsteht bei vielen Nutzern weniger ein optisch halbwegs ähnliches Ebenbild, sondern vielmehr ein digitales Super-Ich. Klein geratene Brillenschleichen mutieren zu muskelbepackten Hünen in schillernden Rüstungen; Mauerblümchen avancieren zu vollbusigen Amazonen mit Wespentaille und Wallemähne.

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Die digitale Metamorphose wird dabei nicht selten zur Bühne für multiple Persönlichkeiten und zum Seelenspiegel für das menschlichste aller Gefühle: einmal im Leben jemand anderes sein – vor allem aber jemand Besseres! „Proteische Persönlichkeiten“ nannte der amerikanische Psychiater Robert Lifton im Jahr 1993 erstmals solche Verhaltensweisen, woraus der US-Soziologe Jeremy Rifkin sieben Jahre später einen populären Begriff für die „Generation@“ machte.

Avatare wirken auf die eigene Psyche zurück

Inzwischen haben Wissenschaftler herausgefunden: Avatare beeinflussen im Netz aber nicht nur, wie man von anderen wahrgenommen wird – sie wirken umgekehrt auch auf die eigene Psyche und das reale Verhalten ihrer Besitzer. Der Medienwissenschaftler Nick Yee fand etwa 2007 im Rahmen seiner Dissertation an der Stanford-Universität heraus, dass Nutzer eines besonders attraktiven Avatars begannen, ihr (reales) Leben bereitwilliger vor Fremden auszubreiten, und auch schneller gegenüber andersgeschlechtlichen Bekanntschaften intim wurden.

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