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Axel Wieandt

Vom Berater zum Bankenchef

Christoph Mohr
Gestern noch Deutsche-Bank-Stratege im Hintergrund, heute Chef der klammen Hypo Real Estate. MBA-Absolvent Axel Wieandt verrät, was er dem Business-School-Studium verdankt.
Axel Wieandt machte seinen MBA an der Kellogg School of ManagementFoto: © Bert Bostelmann
Junge Karriere: Ihre Visitenkarte zierte bislang der Titel "Global Head Corporate Investment/Corporate Development". Kann man das mit "Chefstratege der Deutschen Bank" übersetzen? 
A. Wieandt : (lacht) Nein, der Chefstratege der Deutschen Bank ist schon der Vorstandsvorsitzende. Meine Aufgabe und die meines gut zwanzigköpfigen Teams in Frankfurt, London, New York und Singapur besteht darin, Akquisitionen vorzubereiten und dann die Integration der neuen Konzernbeteiligungen zu begleiten.
Aber man könnte schon spotten und sagen, Sie sind ein typischer MBA-Absolvent: Brilliante Konzepte, keine operative Verantwortung? 
Auch das stimmt nicht wirklich. Ein Teil meiner Aufgabe bestand ja bislang darin, den Verkauf von Unternehmen und Beteiligungen zu betreuen. Wir haben seit 2003 mehrere Hundert einzelne Unternehmen und Unternehmensbeteiligungen verkauft, was für ein Gesamtvolumen von mehreren Milliarden Euro steht. Und dann habe ich auch noch Aufsichtsratsmandate in den Niederlanden und in Dubai. Einer der Gründe, warum ich diesen Job mache, ist ja im Übrigen gerade, dass ich nicht nur Berater sein wollte.

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Wie das? 
Nach meinem Studium war ich zunächst erst einmal als Berater für Finanzdienstleister tätig, zuerst bei McKinsey in Düsseldorf, dann in Boston. Und auch da habe ich mit Fragen der Post-Merger-Integration beschäftigt. Aber als Berater stehen Sie am Ende der Wertschöpfungskette, Gestalten tut jemand anderes. Die wirklichen Entscheidungen fallen am Kapitalmarkt und bei Investmentbanken. Da wollte ich hin, weswegen ich von McKinsey auch zu Morgan Stanley nach London gewechselt bin.
Sie kommen aus einer bekannten Banker-Familie. War es da zwangsläufig, dass Sie an der privaten WHU Wirtschaft studieren, die sich ja als so etwas wie die Kaderschmiede der Leistungselite positioniert? 
Überhaupt nicht. Der Grund war ein ganz anderer. Ich wollte BWL studieren und die ZVS wollte mich nach Bayreuth schicken. Ich wollte mir die Hochschule aber selber aussuchen, weshalb ich mich für eine private Hochschule als Alternative entschieden habe. Die WHU war damals im Übrigen auch ein Risiko. Das war ja eine ganz junge, keineswegs etablierte Hochschule.
Wie kamen Sie nach Ihrem WHU-Studium auf den Gedanken, einen MBA zu machen? 
Es gab während meines WHU-Studiums Austauschmöglichkeiten mit der Ecole de Commerce in Paris und mit Kellogg. So bin ich auch auf den MBA aufmerksam geworden. Nach Amerika bin ich dann im Rahmen meiner Promotion an der WHU mit einem durch den DAAD vermittelten Procter & Gamble-Stipendium gegangen. 
Haben Sie gleichzeitig den MBA gemacht und promoviert? 
Ja und nein. Ich konnte mir einiges auf mein MBA-Studium anrechnen lassen, so dass ich an Kellogg das verkürzte MBA-Programm gemacht habe. Aber es war schon ein richtiger MBA. Gleichzeitig konnte ich natürlich vieles aus dem MBA-Programm für meine Promotion über Innovationen verwenden. Aber geschrieben habe ich die Dissertation dann tatsächlich erst nach meiner Rückkehr nach Deutschland.
Sie hatten dann den direkten Vergleich zwischen einer deutschen Wirtschaftshochschule und einer amerikanischen Business School.
Das war schon ein sichtbarer Unterschied, allein was die Räumlichkeiten und die Ausstattung anbelangt, was übrigens auch für die Sportanlagen und das Schwimmbad gilt. Was die Uni selbst anbelangt, würde ich die akademische Breite, aber auch die Zugänglichkeit der Professoren und Studenten hervorheben. Auffallend war auch die hohe Motivation der Studenten und insgesamt ganz einfach die Internationalität. Aber in der Zwischenzeit hat die WHU ganz ohne Frage zu den führenden europäischen Business Schools aufgeschlossen.
Man mag es gegenwärtig kaum sagen: Die US-Business Schools galten und gelten den Wirtschaftshochschulen in Europa auch deshalb als weit voraus, weil sie neue, die Finanzmärkte verändernde Theorien und Innovationen hervorgebracht haben. 
Sicherlich waren die US-Schulen bei vielen Fragen des Kapitalmarktes weiter. Als ich an Kellogg war, war nur um ein Beispiel zu nennen, Alfred Rappaport, der Vater des Shareholder Value-Ansatzes, dort Professor. Und das war natürlich ungemein aufregend, mit seiner ganz neuen Software, leveraged Buy-outs zu simulieren (also fremdfinanzierte Unternehmensübernahmen), so etwas gab es zu diesem Zeitpunkt in Deutschland noch gar nicht.

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