Der Wechsel des Arbeitgebers bringt mehr Geld, Verantwortung – und Balance.
Firmen locken mit Vereinbarkeit von Familie und Job. Überstürzte Wechsel bergen jedoch Gefahren.
Mehr Ruhe in der Freizeit – damit lockt der Automobilhersteller Daimler neue Führungskräfte. Nach der Arbeit sollen sie das Firmenhandy ohne schlechtes Gewissen abschalten können. Auch im Urlaub will das Unternehmen niemanden dazu zwingen, regelmäßig das elektronische Postfach zu überprüfen: Auf Wunsch werden Mails bei Abwesenheit sogar automatisch gelöscht.
"Es besteht keine Erwartungshaltung, immer erreichbar zu sein", heißt es in neuen Leitlinien, die der Konzern gerade präsentiert hat. Darin wird generell eine bessere Balance zwischen Beruf und Privatleben festgeschrieben.
Mit entsprechenden Maßnahmen will Daimler nicht nur seine Manager entlasten. Für den Stuttgarter Konzern ist das Thema auch wichtig, um im Wettbewerb um hochqualifiziertes Personal zu punkten. Hier sieht sich das Unternehmen mit steigenden Ansprüchen der Fach- und Führungskräfte konfrontiert. "Immer mehr Beschäftigte wollen sich beruflich verwirklichen und sich gleichzeitig um die Betreuung der Kinder oder die Pflege ihrer Angehörigen kümmern", sagt Personalvorstand Wilfried Porth.
Buhlen um Hochqualifizierte
Aber nicht nur der Automobilkonzern muss seine Arbeitsbedingungen überarbeiten, um Fach- und Führungskräfte anzulocken. Zwar hat ein Großteil der Unternehmen mit der nachlassenden Konjunktur und den Folgen der Euro-Krise zu kämpfen. Gleichzeitig aber ächzt die Wirtschaft unter einem Personalmangel gerade bei den Hochqualifizierten.
Besonders gefragt sind Ingenieure, Naturwissenschaftler und Informatiker. Aber auch um Spezialisten für das Kosten- und Restrukturierungsmanagement sowie für den Vertrieb herrscht ein harter Wettbewerb.
"Krisen führen stets zu grundlegend neuen personellen Aufstellungen und eröffnen Chancen zur Karriereentwicklung", sagt Tiemo Kracht, Geschäftsführer der Personalberatung Kienbaum. "Insofern sind sie auch Väter von Karrieresprüngen."
Neue Herausforderungen anzunehmen, lohnt sich für Kandidaten vor allem finanziell. Um Spezialisten anzuwerben, würden sich Unternehmen zunehmend gegenseitig überbieten, sagt Attilio Berni. Der Geschäftsführer des Dienstleisters Experis, der sich auf die Vermittlung von hochqualifiziertem Personal spezialisiert hat, nennt als Beispiel IT-Experten: "Sie können sich vor Anfragen kaum retten", sagt er.
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