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Arbeitgeber

Voller Energie: Eine Branche im Aufbruch

Kirstin von Elm
Neue Kraftwerke bauen, alte Stromnetze modernisieren, saubere Energiequellen anzapfen oder Emissionsrechte kontrollieren - in der Energiebranche gibt es viel zu tun. Wer einen der Top-Jobs will, muss in die richtige Ausbildung investieren.
Gib mir deinen Saft: Arbeiten im EnergiesektorFoto: © Thomas Mueller - aboutpixel.de
Mit Beschattung kennt sich Sarah Aldenpaß bestens aus. Die 25-jährige Diplom-Ingenieurin arbeitet aber nicht etwa beim britischen Geheimdienst, sondern beim dänischen Windenergie-Anlagenhersteller Vestas. In Husum an der deutschen Nordseeküste sitzt die Vertriebs- und Servicezentrale Central Europe des Weltmarktführers für Windkraftanlagen. Im Team Produktmanagement ist Aldenpaß zuständig für den technischen Support: "Investoren, die irgendwo im deutschsprachigen Raum, in den Niederlanden oder in Osteuropa eine Windenergieanlage errichten wollen, wenden sich mit technischen Detailfragen an uns", erklärt sie ihren Job.Welche technischen Anforderungen stellen beispielsweise die großen Energieversorger, damit der Windstrom in ihre Netze eingespeist werden darf? Müssen nahegelegene Gebäude vor Lärm oder Schatten durch die rotierenden Riesenmühlen geschützt werden? Bei Bedarf programmiert die junge Ingenieurin dann zum Beispiel ein so genanntes Schattenabschaltmodul. Je nach Wetterlage und Sonnenstand werden die Windräder damit automatisch gestoppt.

Die besten Jobs von allen

Nicht nur technisches Know-how ist gefragtDoch nicht nur technisches Know-how ist für den Job gefragt: "Momentan beschäftige ich mich vor allem mit Wettbewerbsanalysen", sagt Aldenpaß. Von Deutschland aus will Vestas verstärkt die noch jungen Märkte im Osten Europas erschließen. Als Hersteller von technisch hochwertigen Windenergieanlagen ist Vestas überzeugt, dass gesundes Wachstum in dem innovativen und überdurchschnittlich erfolgreichen Windenergiemarkt nur durch engagierte und qualifizierte Mitarbeiter erreicht werden kann. Da passt es gut, dass die Absolventin der FH Kiel im Rahmen ihres Studiums Technologiemanagement & Marketing nicht nur elektrische Energietechnik gebüffelt hat, sondern zusätzlich auch BWL.Die Anforderungen sind gewachsen. Produktmanager und Vertriebsingenieure müssen heute nicht nur Marktpotenziale für erneuerbare Energien kalkulieren oder mögliche Investoren von der Wirtschaftlichkeit eines Windparks überzeugen. Sie müssen auch den "Return on Investment" und die technische Leistung einer Anlage berechnen. Auch Projektleiter, die den Bau oder die Modernisierung eines konventionellen Kraftwerks koordinieren, sind gefordert, Fragen zur Kostenkalkulation und zum Budget zu beantworten.Im Zuge der Freigabe und Deregulierung der internationalen Energiemärkte stecken die großen Energieversorger im Umbruch. Ehemalige Monopolisten müssen sich gegen eine Vielzahl von Stromanbietern aus dem In- und Ausland behaupten und stehen unter steigendem Kosten- und Modernisierungsdruck. Nachwuchsingenieure, die nicht nur die aktuellen Technologien beherrschen, sondern auch noch eine solide betriebswirtschaftliche Basis mitbringen, sind in der Energiebranche deshalb erste Wahl. Laut Zahlen des Personaldienstleisters Adecco bezieht sich aktuell jedes drittes Stellenangebot für Energietechniker auf den Bereich Projektmanagement (siehe Grafik). Das entspricht einem Zuwachs von fast 85 Prozent im Vergleich zum Vorjahr."Technisch denken und ökonomisch handeln", sagt Wolfgang Schröppel, Professor der Betriebswirtschaft - so sieht das aktuelle Wunschprofil der Arbeitgeber aus. Der ehemalige Siemens-Manager ist seit 2002 Vorsitzender der Energietechnischen Gesellschaft (ETG) im Branchenverband VDE. Am Institut für Elektroenergiesysteme und Hochspannungstechnik der TH Karlsruhe lehrt er "Betriebswirtschaft für Ingenieure".Ein echter Ingenieur findet immer eine LösungSo bequem wie beispielsweise in Kiel oder Karlsruhe können Studenten eines technischen Faches allerdings noch längst nicht überall ihren Stoff mit praxisgerechten Wahlmodulen aus den Bereichen Wirtschaft oder Recht kombinieren. Wer auf eigene Faust Veranstaltungen der Wirtschaftswissenschaftler besuchen will, sieht sich oft mit unkompatiblen Vorlesungszeiten oder quer durch die Stadt verteilten Hörsälen konfrontiert. Doch ein echter Ingenieur findet auch für dieses Problem eine Lösung: "Im dritten Semester habe ich mich an der Fern-Uni Hagen für BWL eingeschrieben", sagt Günther Westner.Seinen Abschluss als Diplom-Kaufmann stemmte der 30-jährige Eon-Ingenieur parallel zum E-Technik-Studium und vertiefte seine Kenntnisse in der Energietechnik an der TU München. Durch so viel Engagement und Wirtschaftsinteresse qualifizierte er sich nach dem Vordiplom für ein Stipendium der Bayerischen Eliteakademie. Die von der bayerischen Wirtschaft finanzierte Schmiede für Führungsnachwuchs unterstützt vielversprechende Studenten beispielsweise durch die Vermittlung von Auslandspraktika und Firmenkontakten.

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