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PowerPoint kann langweilen oder gezielt eingesetzt werden.
Foto: Arafat Uddin/Fotolia.com
Powerpoint-Präsentation

Verschwendete Zeit

Nora Schareike, wiwo.de
Fast jeder kennt das Elend der Powerpoint-Präsentation aus Zuhörersicht: Die Verlockung zu einem Nickerchen ist groß. Dennoch sitzen täglich Millionen Angestellte an Präsentationen – und verschwenden zahllose Stunden.
Es gibt Menschen, die durch Studium und Berufsleben kommen, ohne jemals eine Präsentation erstellt zu haben. Der Alltag für viele Beschäftige sieht allerdings anders aus: Rund 57 Prozent der berufstätigen Deutschen nutzen im Berufsalltag ein Präsentationsprogramm, so das Ergebnis einer Umfrage im Auftrag des Dienstleisters i-pointing – beziehungsweise: müssen es nutzen.

Die Umfrage zeigt, dass eine Menge Arbeitsstunden für die Präsentationen draufgeht. Durchschnittlich verwenden Arbeitnehmer 2,2 Stunden auf ihre Werke und das im Schnitt mindestens einmal pro Woche. Übers Jahr summieren sich so im Mittel 100 Stunden. Vier von fünf Berufstätigen nutzen dabei das Microsoft-Programm Powerpoint, nur rund ein Viertel auch mal oder stattdessen die Apple-Alternative Keynote. Jeder Fünfte arbeitet mit dem Programm Prezi.

Der Nutzen und die Beliebtheit von Präsentationen ist fragwürdig. Gerade hat Amazon-Chef Jeff Bezos seinen Mitarbeitern verboten, mit Powerpoint-Präsentationen zu arbeiten. Sie sollen lieber Geschichten erzählen, heißt es, statt den Leuten Bulletpoints vor den Kopf zu knallen, die sie gleich wieder vergessen. Forscher warnten bereits vor Jahren davor, dass Powerpoint-Präsentationen die Zuhörer dumm mache und prägten den Begriff des Powerpoint Death – das Wegnicken im dunklen Seminarraum.

Hohe Kunst des sinnvollen Umgangs mit dem Tool

Viel Arbeitszeit geht drauf für das Erstellen von Präsentationen: Von den 57 Prozent, die damit zu tun haben, nutzen 55 Prozent mindestens einmal in der Woche Powerpoint, knapp 81 Prozent mindestens einmal im Monat. Doch jeder, der schon einmal Adressat solcher Präsentationen war, weiß um die Tücken beim Zuhören und welch' hohe Kunst dahintersteckt, wenn Vortragende das Tool sparsam, sinnvoll und vor allem so einsetzen, dass Informationen und Bilder im Kopf hängenbleiben.

Aus unternehmerischer Sicht steckt übrigens auch ein nicht zu vernachlässigender Kostenfaktor in dem Studienergebnis. Gerade die akademisch gebildeten Angestellten stecken demnach in 53 Prozent der Fälle mehr als zwei Stunden Arbeit in eine Präsentation. Jeder vierte verwendet sogar mehr als drei Stunden. Dabei verdienen die Angestellten mit Hochschulabschluss in der Regel mehr, die Arbeitsstunden für Powerpoint und Co. summieren sich zu höheren Beträgen. 22,8 Prozent derer, die mehr als 3800 Euro Haushaltseinkommen haben, arbeiten täglich mit einem der Präsentationsprogramme.


Wieviel Zeit verwenden Sie im Durchschnitt, um eine Präsentation zu erstellen?

    Total   Volks-/Hauptschule  Höhere Schule ohne Abitur  Abitur/Hochschulreife ohne abgeschlossenes Studium  Abgeschlossenes (Fach-) Hochschulstudium 
Weniger als eine Stunde     13,3%  16,4%  13,1%  11,5%  13,6%
Mehr als eine, aber weniger als zwei Stunden     37,1%  40,4%  39,8%  38,2%  33,1%
Mehr als zwei, aber weniger als drei Stunden     29,4%  30,1%  30,3%  29,1%  28,7%
Mehr als drei, aber weniger als vier Stunden      11,3%  7,5%  10,4%  12,5%  12,3%
Länger als vier Stunden     9,0%  5,5%  6,3%  8,8%  53,2%
Mittelwert (in Stunden)     2,20h   1,98h  2,10h  2,23h  2,32h


Zuerst veröffentlicht auf wiwo.de
Dieser Artikel ist erschienen am 09.05.2018

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