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Arbeit als Selbstzweck

Verpasstes Leben

Ferdinand Knauß, wiwo.de
Frohes Schaffen! Für viele klingt das wie ein frommer Wunsch. Denn das rechte Maß der Arbeit geht mehr und mehr verloren. Nur wer in seinem Job Erfüllung – und nicht Erschöpfung – findet, kann auch Lebenssinn darin entdecken. Zu oft ist Arbeit reiner Selbstzweck.
Glücklich, wer abends seinen Arbeitsplatz mit Stolz verlässt. Wer weiß oder zumindest glaubt, dass er etwas Sinnvolles geleistet, etwas geschaffen hat, dass die Mühen wert war. Vielleicht ein repariertes Auto, ein gepflügtes Feld oder eine Steuererklärung. Oder ein gelungener Text.

Wer sein Werk vollbracht hat, dem kann Arbeit eine Quelle des Glückes sein.

Für viele Menschen in Deutschland klingt dagegen das schöne Wort "Frohes Schaffen" wie blanker Hohn. Und so ist es auch gemeint in dem gleichnamigen Dokumentarfilm, der derzeit in den Kinos zu sehen ist. Konstantin Faigle stellt darin Menschen vor, die durch Arbeit unglücklich werden. Ein Ingenieur, der vor lauter Arbeit nicht auf die Idee kommt, eine Familie zu gründen. Einen 75-jährigen vereinsamten Rentner, der seit dem Ruhestand nichts mehr mit sich anzufangen weiß. Ihre Arbeit hat diese Menschen erschöpft und innerlich ausgehöhlt.

"Die erschöpfte Gesellschaft"

Stephan Grünewald, Psychologe und Inhaber des Rheingold-Instituts, stellt in seinem aktuellen Buch "Die erschöpfte Gesellschaft" fest, dass ein grundsätzlicher Wandel stattgefunden hat in der Haltung zur Arbeit. Nicht mehr das eigene Werk ist der Grund für den Stolz der arbeitenden Menschen, so sein Fazit nach Tausenden Tiefeninterviews, sondern die Erschöpfung.

"Wir wissen zwar oft nicht mehr genau, was wir gemacht und mit welchem Sinn wir es betrieben haben. Aber an der bleiernen Müdigkeit spüren wir, dass wir uns doch rechtschaffen abgearbeitet haben. Die Frage, ob unser Tag erfolgreich, befriedigend oder erfüllend war, macht sich also nicht an der Qualität der geleisteten Arbeit fest, sondern am Ausmaß unseres eigenen Ausgelaugt- und Gestresstseins." Aus Schöpferstolz ist der Stolz der Erschöpften geworden.

Wo bleibt das rechte Maß?

Wenn das Werk im Vordergrund steht, sorgt es selbst für Pausen – der Leim muss trocknen, die Gedanken müssen sich ordnen – und vor allem ist immer ein Ende absehbar.

Das fertige Werk ist ein Ziel, nach dem Erholung wartet. Wenn Arbeiten bis zum pathologischen Ausgebranntsein zur Norm wird, droht das Pensum, das wir uns selbst zumuten, jedes Maß zu verlieren.

Denn die Erschöpfung kennt keine klar erkennbaren Grenzen. Grünewald: "Im Sinne der Erschöpfung sind Pausen keine Gelegenheiten der Regeneration und des Kräftesammelns, sondern Zeitlöcher, durch die das Gefühl der Ermattung entrinnen kann."


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