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Job

Verhandeln Sie trotz Krise Ihr Gehalt

Ulrike Heitze
Wer nicht fragt, kriegt nicht mehr. Junge Karriere sagt, in welchen Branchen auch in der Krise mehr drin ist, welche Forderungen Sie stellen können und wie Sie sich auf das Gehaltsgespräch vorbereiten.
Wer nicht fragt, kriegt nicht mehrFoto: © Rainer Holz
Wie ein Besuch beim Zahnarzt? Nein, diesen Vergleich findet Benjamin Lüpschen übertrieben. "Das wäre ja dann ein unangenehmer Termin", sagt der 30-Jährige. Wenn er in den nächsten Tagen zum Jahresgespräch bei seinem Chef antritt, empfindet er das eher als positiv. "Ich bekomme ein konstruktives Feedback auf meine Arbeit. Und weil ich im letzten Jahr gut war und viele meiner Ziele erreicht habe, kann ich mit einer gesunden Portion Selbstbewusstsein da rein und über den Bonus und das Gehalt verhandeln."Die miesen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in diesem Jahr wird er bei seinen Verhandlungen zwar berücksichtigen. Komplett ausbremsen lassen will er sich aber nicht: "Natürlich habe ich ein Auge auf die Interessen der Firma und darauf, was das Unternehmen derzeit umtreibt. Andererseits weiß ich auch, was ich geschafft habe. Ich denke, wir werden uns irgendwo in der Mitte einigen." Seit viereinhalb Jahren ist der Diplom-Kaufmann beim Konsumgüterkonzern Henkel beschäftigt, seit zwei Jahren in der Konzernstrategie und als Assistent des Vorstandsvorsitzenden Kasper Rorsted. Vier Jahresgespräche hat Lüpschen bereits hinter sich, viermal Ziele vereinbart, viermal seine Leistung verkauft - und unterm Strich ist er sehr zufrieden mit seinen Gehaltssprüngen. Mit etwa 45000 Euro ist er wie jeder Hochschulabsolvent, der bei Henkel einsteigt, vor Jahren gestartet. Nach mehreren Gehaltsrunden und Positionswechseln verdient er inzwischen deutlich mehr.

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Auch in der Krise besteht die Chance, eine Gehaltserhöhung zu bekommen. Doch wie hoch würden Sie pokern?Benjamin Lüpschen ist mit seinen Gehaltsambitionen und dem Ruf "Ich will mehr" nicht alleine, das zeigt eine aktuelle Umfrage des Job-Portals Monster. Demnach planen 45 Prozent aller befragten Arbeitnehmer, auch in diesem Jahr beim Chef um mehr Gehalt zu fragen. Nur jeder Vierte gab an, dass er momentan darauf verzichte, weil ohnehin keine Aussicht auf Erfolg bestehe. Die Bereitschaft, sein Gehalt zu verhandeln, ist in letzter Zeit merklich gestiegen. Vor einigen Jahren noch war das Gros der Belegschaft froh, dass sich die Tarifparteien um die Erhöhungen kümmerten. Mittlerweile ist es in vielen Unternehmen üblich, Ziel- und Bonusvereinbarungen zu schließen.Diese Entwicklung ist begrüßenswert. Denn regelmäßige Gehaltsgespräche sollten zum Standardrepertoire von Fach- und Führungskräften gehören. Die Verhandlungen sind Teil der persönlichen Selbstvermarktung, und weil Firmen den Beitrag eines Mitarbeiters zur Gesamtleistung letztlich in Geld bewerten, ist es sinnvoll, ihm die Chance zu geben, selbst für sein Gehalt zu kämpfen. Wer viel beiträgt, sollte mehr bekommen. Wer seine Ziele nicht erreicht, muss eventuell eine Runde aussetzen bei der Verhandlung, um wie viel das Monatsgehalt ansteigt.

Foto: © Junge Karriere
In diesem Jahr allerdings werden verhandlungswillige Arbeitnehmer mit Blick auf die täglichen Horrormeldungen aus der Wirtschaft mit einem mulmigen Gefühl beim Vorgesetzten antreten. Ist es überhaupt sinnvoll, um einen Zuschlag zu bitten? Wie kommt das beim Chef an? Welche Forderung ist okay, welche maßlos? Derzeit ist Augenmaß gefordert. Gehaltscoach Martin Wehrle macht Arbeitnehmern trotzdem Mut: "Die Krise trifft längst nicht alle Unternehmen und auch nicht alle zur gleichen Zeit. Wer wirklich gut ist, hat jetzt beste Chancen auf ein erfolgreiches Gespräch." Wer erst bis zum Aufschwung wartet, wird sich anhören müssen: "Jetzt müssen wir uns erst ein bisschen erholen, bevor es wieder mehr gibt." Ohnehin würde sich dann die gesammelte Belegschaft ein Herz fassen und etwas vom Gehaltskuchen abhaben wollen.Der ungeteilten Aufmerksamkeit des Chefs kann man sich also eher jetzt sicher sein. Die sollte ein Arbeitnehmer allerdings nur suchen, wenn er in jüngster Zeit Leistungen vollbracht hat, die eine zusätzliche Belohnung verdienen. Ein erfolgreiches Projekt also, ein gewonnener Neukunde oder eine entdeckte Möglichkeit, Kosten zu reduzieren. Mit Mittelmaß fällt man in der Gehaltsverhandlung eher negativ auf.Drei Berufstätige schildern ihre Erfahrungen mit Gehaltsverhandlungen:30 000 Euro - Einkäufer für Laufsportartikel49 000 Euro - Ärztin für Anästhesie und Intensivtherapie55 000 Euro - Consultant

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