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Mein schlimmster Job

Unter Sangria-Beschuss

Mariam Schaghaghi
Mitten drin, statt nur dabei: Monica Lierhaus musste vom Ballermann aus eine TV-Sendung moderieren. Die Live-Show endete im Fiasko.
Monica Lierhaus moderiert nie wieder live vom BallermannFoto: © Bente Schipp
Ich habe nur ganz wenige schlimme Jobs machen müssen, fast gar keine. Dabei habe ich schon mit 15 angefangen zu jobben - zuerst als Jeansverkäuferin, mit 18 dann als Tennistrainerin. Auch später als Journalistin habe ich das Glück gehabt, dass mein Beruf mir immer viel Spaß gemacht hat. Ich bin nur ganz selten in Extremsituationen gekommen, in denen ich dachte: ,Oh mein Gott! Wie bist Du bloß hier reingeraten?'Aber einmal gab es so eine Situation, es war eine, sagen wir mal: extrem hohe Belastung. Das ist zehn Jahre her. Wir haben damals für Sat1 eine Ausgabe der Boulevard-Sendung "Blitz" live von Mallorca aus gemacht. Das war aber nicht nur irgendeine Live-Übertragung, sondern sie wurde auch noch direkt vom Ballermann gesendet. Das hatte es vorher noch nie gegeben. Hinterher wussten wir auch warum. Erstmal saßen zweitausend grölende Deutsche um uns herum, in diesen Wellblechhütten, und die machten Alarm. Aber richtig! Sie fingen an, uns zu bedrängen, wollten alle in Richtung Kamera.

Die besten Jobs von allen

Damit hatten wir gar nicht gerechnet. Wir sind ziemlich naiv an die Sache rangegangen. Wir hatten nicht mal Bodyguards dabei oder Leute, die die Kamera abschirmen. Martin Hoffmann, der ehemalige Programmdirektor, hat spontan den Bodyguard gegeben und versucht, mich halbwegs zu beschützen. Eine Probe hatten wir vorher nicht gemacht, wir hatten es beim Technik-Check belassen, wegen der fast vierzig Grad im Schatten. Also haben wir es einfach durchgezogen.Dann war ich live auf Sendung. Es wurde laut, es wurde hitzig, und die Menge fing an zu grölen: ,Auszieh'n! Auszieh'n!' So laut, ich konnte mein eigenes Wort nicht mehr verstehen. Und dann wurde es auch noch so klebrig in meinem Nacken. Ich dachte noch: ,Was ist denn das da hinten?' Bis mir klar wurde: Die pusten Sangria durch Strohhalme und zielen von hinten auf mich. Die saßen ja alle vor diesen riesigen Sangria-Eimern. Und mir lief diese Soße am Körper runter. Eklig! Aber es half ja nichts - ich musste da durch.Ich war heilfroh, als diese Sendung nach einer halben Stunde endlich vorbei war. Und danach wusste ich auch, warum man nicht live vom Ballermann senden sollte. Man sollte es einfach nicht tun. Alle, die dabei waren, ob Regisseure oder Aufnahmeleiter, reden noch heute davon. ,Auszieh'n! Auszieh'n!' Was für ein Fiasko!" Monica Lierhaus, 38, begann ihre Karriere bei Radio Hamburg und moderiert inzwischen u.a. die "Sportschau" und den "Sportclub" im NDR.Frank-Markus Barwasser: Alles für das PublikumChristian Tramitz: Drei Werbespots haben gereicht
Dieser Artikel ist erschienen am 31.07.2008

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