Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche
Mein schlimmster Job

Unruhige Zeiten im Paradies

Mariam Schaghaghi
Olivier Harnisch, der Deutschlandchef der Hilton Hotels, begann seine Karriere auf Madagaskar. Mit dem Hilton Antananarivo übernahm er ein Traumhotel. Wenig später fand er sich in bürgerkriegsähnlichen Verhältnissen wieder.
Olivier Harnisch musste sein hotel beinahe schließenFoto: © PR
Mein schlimmster Job? Nie vergessen werde ich meine erste Stelle als Hoteldirektor auf Madagaskar. Ich bekam 2001 das Angebot, das Hilton in Antananarivo zu leiten. Es schien das ideale Hotel für einen jungen General Manager zu sein: ein kleines Haus mit 167 Zimmern in einem politisch stabilen Land.Ich zog mit meiner Frau und meiner gerade acht Monate alten Tochter dorthin. Wir fühlten uns gleich wohl. Ich bin in Togo aufgewachsen und liebe Afrika. Dann aber fanden Wahlen statt: Gegen den Präsidenten Ratsiraka trat der Bürgermeister der Hauptstadt an, Ravalomanana, ein junger, ehrgeiziger Selfmademan.

Die besten Jobs von allen

Der Alte gewann, aber der Neue focht die Wahl an. Das Land war gespalten, weil beide Kandidaten jeweils eine der beiden großen ethnischen Gruppen repräsentierten. Es folgten Demonstrationen, der Dissident übernahm die Hauptstadt - es waren bürgerkriegsähnliche Zustände. Meine Familie verließ nach einer Reisewarnung das Land.Acht Monate im AusnahmezustandIch ging davon aus, der Spuk dauere ein paar Tage. Aber dann wurde der Flughafen geschlossen und die Häfen abgeriegelt - erst nach acht Monaten war alles vorbei. Im Hotel wohnten Reporter oder arme Kerle wie ich, die nicht ausgereist waren, sich aber im Hotel sicherer fühlten als zuhause.Ich vermietete je zwei zusammengelegte Zimmer als Wohnungsersatz mit Post- und Wäscheservice. Bald gab es keinen Strom, kein Benzin und kein Warmwasser mehr. Ich stand kurz davor, das Hotel zu schließen. Das ließ ich auch die neuen Machthaber wissen. Für die wäre das eine Riesenblamage gewesen! Wir waren das einzige internationale Haus vor Ort. Also wurden wir an den Notstromkreis angeschlossen und bekamen 1000 Liter Diesel pro Woche - das reichte fürs warme Duschen der Gäste.Es folgten acht Monate Improvisieren: Fleisch und Gemüse gab es satt, aber weder Konserven, Fisch oder Butter. Von drei Liften ging nur einer. Ich war mehr Seelsorger als General Manager. Meine kleine Familie fehlte mir sehr. Damals habe ich eins gelernt: Es gibt immer eine Lösung, auch wenn es zwischendurch unmöglich scheint.
Dieser Artikel ist erschienen am 28.04.2010

Fair Company | Initiative

 

Themen im Überblick