Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche
Schon vor Weihnachten ist man mit dem Kopf unter dem Tannenbaum
Foto: JenkoAtaman / Fotolia.com
Feiertage mit Nebenwirkungen

Unproduktivität rund um Weihnachten

Kerstin Dämon, wiwo.de
Wohl dem, der jetzt im Urlaub ist. Die Kollegen, die im Büro bleiben müssen, sind es zumindest gedanklich. Schon seit Mitte Dezember hat ein Viertel der Mitarbeiter abgeschaltet und beschäftigt sich anderweitig – anstatt zu arbeiten.
Alle Jahre wieder...
Auch wenn viele die Vorweihnachtszeit nicht genießen konnten bzw. grundsätzlich nicht genießen – Vorbereitungsstress, Geschenke in überfüllten Geschäften besorgen oder Pakete suchen, die bei unbekannten Nachbarn abgegeben wurden – mögen die Deutschen das Fest. Irgendwie.

Das sagen zumindest 73 Prozent der Deutschen in einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Yougov: Sie freuen sich aufs Fest, sagen die Befragten. Die Vorweihnachtszeit verbringen sie daher mit Geschenke einkaufen (84 Prozent), sie gehen auf Weihnachtsmärkte (80 Prozent) oder essen und backen Kekse.

Keine Lust an der Arbeit – speziell rund um Weihnachten

Dumm nur, dass die Mehrheit trotzdem arbeiten und das besinnliche Programm irgendwie in den Feierabend quetschen muss. Für die Arbeitsmotivation ist das nicht förderlich, wie eine Analyse von Peakon belegt. Peakon ist ein dänisches Start-up, das anhand von Software und Machine-Learning-Algorithmen die Mitarbeitermotivation in Firmen misst. Die Plattform kann also beantworten, wann welche Mitarbeitergruppen besonders schnell arbeiten, besonders viel erledigen, wann sie eher im Internet surfen und vor allem: wann die Stimmung kippt und die Leistung nachlässt. "Die Zahlen belegen, dass die Lust am Arbeiten besonders in der Weihnachtszeit sinkt", sagt Peakon-Mitgründer Dan Rogers.

In Deutschland klinken sich vom ersten Dezember an schon zehn Prozent der Angestellten gedanklich aus. Vom 14. Dezember an gehen 23 Prozent – das sind immerhin fast zehn Millionen Menschen – zumindest im Kopf in den Weihnachtsurlaub. Drei Tage vor Heiligabend sind dann 51 Prozent (circa 22 Millionen Menschen) mit dem Kopf unterm Weihnachtsbaum. Auch wenn der Hintern noch auf dem Bürostuhl parkt.

Auffällig ist der Unterschied in den Altersgruppen: Ein Drittel der jüngeren Beschäftigten (30 Prozent) zwischen 18 bis 24 Jahre gibt an, ihre Lust am Arbeiten bereits am 12. Dezember zu verlieren. 68 Prozent der älteren Angestellten (45 bis 64 Jahre) hingegen sind noch bis zum 18. Dezember motiviert am Arbeitsplatz. "Die Umfrage bestätigt den Stereotypen des fleißigen Deutschen", sagt Rogers. "Gegenüber den Deutschen schalten beispielsweise die Briten viel eher ab, wie eine ähnliche Umfrage von Peakon zeigte. Mehr als die Hälfte gab an, bereits am 16. Dezember innerlich im Weihnachtsurlaub zu sein."

Produktivität nahe dem Nullpunkt  auch nach Weihnachten

Wenn die Deutschen zwar im Büro sind, aber eigentlich nicht arbeiten, treffen sie am liebsten Vorkehrungen für das bevorstehende Weihnachtsfest (44 Prozent), plaudern häufiger mit Kollegen und nutzen vermehrt Social Media (31 Prozent). 15 Büro gehen nebenher Weihnachtsgeschenke kaufen – wahlweise online oder analog – elf Prozent kommen später, gehen früher und machen länger Pausen und weitere elf Prozent nehmen es mit dem Alkohol während der Arbeitszeit nicht so genau. Ein Glühwein in der Mittagspause kann schließlich nicht schaden.

"Jetzt scheint die gesamte Woche vor Weihnachten abgeschrieben zu sein und in vielen Fällen liegt die Produktivität auch in der Woche nach den Feierlichkeiten noch an einem Nullpunkt", sagt Rogers. Viel dagegen tun können Unternehmen seiner Meinung nach nicht. Wer seine Mannschaft nicht nach Hause schicken kann oder will, sollte zumindest längere oder mehr Pausen einräumen, damit die Mitarbeiter ihre Weihnachtsgeschenke besorgen – oder umtauschen können. Sonst tun sie es ja ohnehin. Nur dann eben heimlich.


Zuerst veröffentlicht auf: wiwo.de
Dieser Artikel ist erschienen am 22.12.2017

Fair Company | Initiative

 

Themen im Überblick