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Warum die Deutschen den Job wechseln
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Jobzufriedenheit

Unerfüllte Hoffnungen

Kerstin Dämon, wiwo.de
Die Hälfte der Deutschen ist sich sicher: Wenn sie jetzt kündigen, haben sie binnen drei Monaten einen neuen Job. Und zwar einen, bei dem sie sich weiterentwickeln können. Das sollte Führungskräften zu denken geben.
Von wegen German Angst: Kein europäisches Land blickt so positiv auf den eigenen Arbeitsmarkt wie Deutschland. Das zeigt der aktuelle Bewerber-Index der Personalberatung PageGroup, die Bewerber in 13 europäischen Ländern zur Einschätzung ihrer Situation befragt hat.

Demnach ist die Hälfte der Befragten in Deutschland davon überzeugt, in weniger als drei Monaten einen neuen Job zu finden. Lediglich sechs Prozent rechnen mit mehr als zwölf Monaten für die Jobsuche. Die Zuversicht begründen die Jobsuchenden mit der allgemein guten wirtschaftlichen Situation in Deutschland.

Zu wenig Herausforderung, zu viele Überstunden

Die Gründe, warum Menschen in Deutschland den Job wechseln wollen, werfen allerdings ein schlechtes Licht auf die hiesigen Unternehmen: Offenbar bieten sie ihren Mitarbeitern zu wenig Herausforderungen und zu wenig Geld, verlangen aber dennoch Überstunden und Aufopferung. Jedenfalls ist der Wunsch, sich weiterzuentwickeln und Neues zu lernen, der Hauptgrund für einen Jobwechsel. Hinzu kommt das wachsende Bedürfnis nach privatem Ausgleich und mehr Geld.

Die Hoffnungen werden allerdings nicht immer erfüllt. Gerade Führungskräfte sind häufig frustriert von ihrer neuen Stelle, wie eine Befragung der Frankfurter Baumann Unternehmensberatung Executive Search zeigt: 28 Prozent der befragten Geschäftsführer und Manager sind mit ihrem letzten Jobwechsel unzufrieden und bedauern zumindest teilweise, die neue Stelle angetreten zu haben. In bestimmten Altersgruppen und Wirtschaftszweigen liegt dieser Wert sogar noch deutlich höher. So haben sich 36 Prozent der unter 40-Jährigen ihren neuen Arbeitsplatz attraktiver vorgestellt.


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Die mit Abstand größte Unzufriedenheit gibt es beim Gehalt: 60 Prozent der Befragten haben sich finanziell mehr vom neuen Job erhofft.

Unzufriedene Führungskräfte werden zum Problem

Besonders unzufrieden mit ihrer Vergütung sind dabei Mitarbeiter über 50 Jahre und Angestellte, deren letzter Jobwechsel mehr als sechs Jahre zurückliegt. Die 30- bis 39-jährigen Führungskräfte hadern laut der Studie hingegen am stärksten mit einer zu hohen Arbeitsbelastung.

Für die Unternehmen sind diese unzufriedenen Neuzugänge ein teures Problem. Denn je höher die Position, desto höher sind auch die Kosten für Recruiting und Einarbeitung. Außerdem kommen oft noch Headhunter-Kosten oder Ablösesummen für den alten Arbeitgeber hinzu. Wirft eine Führungskraft also innerhalb der Probezeit wieder hin, ist das finanziell schmerzhaft. Motivatorisch sowieso. Denn je häufiger der Chef wechselt, desto höher ist auch die Gesamtfluktuation im Betrieb. "Unzufriedene Führungskräfte sind häufig auf dem Sprung und aufgeschlossen gegenüber Stellenangeboten der Konkurrenz. Da sie wichtige Schlüsselpositionen bekleiden, hinterlassen sie bei einem erneuten Wechsel erfolgskritische Lücken", bestätigt Michael Faller, Geschäftsführer der Baumann Unternehmensberatung Executive Search.

Hilfreiche Mitarbeiterbefragungen

Genauso schlimm ist es, wenn Mitarbeiter – unabhängig von der Position – zwar unzufrieden sind, aber im Unternehmen bleiben und unmotiviert vor sich hin werkeln. Stichwort: innerliche Kündigung.

Unternehmen sollten sich deshalb stärker um die Zufriedenheit ihrer (leitenden) Angestellten kümmern und zum Beispiel mittels Mitarbeiterbefragungen die genauen Gründe für ihren Unmut herausfinden. Und dann natürlich auch gegensteuern. Zur Not auch, aber nicht nur mit mehr Geld, wie Goran Baric, Geschäftsführer der PageGroup Deutschland sagt. "Für Unternehmen lohnt es sich bei der Talentsuche, Mitarbeitern neben monetären Anreizen individuelle Mehrwerte zu bieten. So wird beispielsweise der Zugang zu umfangreichen fachlichen und persönlichen Weiterbildungen für viele immer wichtiger."


Zuerst veröffentlicht auf: wiwo.de
Dieser Artikel ist erschienen am 03.11.2017

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