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Quereinstieg in den Job
Foto: Sebastian Krüger/Fotolia.com
Quereinsteiger

Unentdecktes Potenzial im Personalmanagement

Teil 4: Kompetenz ist wichtiger als belegbares Wissen

Welche Probleme sehen Sie noch?

Die Forderung der Unternehmen an die Bewerber – innovativ, kommunikativ, Querdenker für neue unternehmerische Ansätze – wird im Bewerbungsprozess nicht wirklich unterstützt: Denn Variablen sind nicht möglich, die Ansprüche zu hoch und Fehler werden nicht zugelassen. Hier müssen die verstetigten bzw. automatisierten Prozesse verändert werden, damit sich wirklich auch kreative und innovative Bewerber durchsetzen können.

Auch der Bologna-Prozess hat zu mehr Irritation denn Durchschlagskraft in diesem Bereich geführt. Nehmen Sie zum Beispiel die Anpassung der Studieninhalte für Ingenieure. Es gibt an den Hochschulen mittlerweile zu viele Einzellösungen im Studienangebot, die vor allem bei den kleinen und mittleren Unternehmen nicht ankommen. Der Wirtschaftsingenieur mit Schwerpunkt Marketing ist für den KMU´ler eben kein ‚richtiger‘ Ingenieur. Das ist leider übertragbar auf viele andere Berufsbilder.

Was muss geschehen, damit Vorstände und Personaler bereit sind, Quereinsteiger einzustellen, ohne für beide Seiten eine exotische Situation zu schaffen?

Es ist wichtig, Kompetenzen und Erfahrungen zu nutzen – und nicht nur belegbares Wissen. Im Bewerbungsprozess sollten Persönlichkeitsmerkmale eine Gleichstellung zu fachlichen Qualifikationen bekommen. Fachbereichsleiter und Gewerkschaftsvertreter müssen im Unternehmen ebenfalls mitziehen und nicht die Bewerbung eines Quereinsteigers als exotisches Abenteuer oder Notbehelf betrachten. Auch der klassische Bewerbungsprozess passt beim Quereinsteiger nicht: Das gilt sowohl für das Einstellungsgespräch als auch für das Assessment-Center und die vorgegebenen Karriereschritte.

Wieso steigern Quereinsteiger durch neue Denk- und Handlungsansätze Umsatz, Gewinn und Innovationsfähigkeit?

Sie haben einen anderen Blick auf die Dinge. Mit ihrer persönlichen und anderweitig erworbenen Fachexpertise lassen sich zum Beispiel die Fragen des Kunden viel besser beantworten. Es finden Transferleistungen statt, Dinge werden neu und in andere Richtungen gedacht.


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