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Quereinstieg in den Job
Foto: Sebastian Krüger/Fotolia.com
Quereinsteiger

Unentdecktes Potenzial im Personalmanagement

Interview: Anne Koschik
Umbruch auf dem Arbeitsmarkt: Anspruchsvolle Bewerber, keine Jobs auf Lebenszeit und Engpässe bei den Fachkräften machen den Unternehmen zunehmend Sorgen. "Quereinsteiger sind der neue Erfolgsfaktor", behauptet Sylvia Knecht, Inhaberin der Linch Pin Beratungsagentur.
In der Wirtschaft fehle es "an Mut, Wissen und Können, Bewerber unabhängig von bisher erbrachten Leistungsnachweisen zu beurteilen", behauptet Sylvia Knecht.

Pro Jahr wechseln gut drei Prozent und damit rd. 1,2 Mio. der Beschäftigten ihr Berufsfeld, so das Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Diese Zielgruppe, die den Sprung in die berufliche Neuorientierung wagt, wird bei der Bekämpfung des Fachkräftemangels aber gern übersehen, obwohl sie "durch neue Denkansätze, Motivation und Eigeninitiative überzeugen", so die Beraterin.

BA-Chef Frank Weise ist überzeugt, dass Arbeitgeber bei der zunehmenden Nachfrage nach Arbeitskräften eine Bereitschaft entwickeln müssen, branchenfremden Fachkräften eine Chance zu geben, zudem diese Mitarbeiter selbst anzulernen und weiter zu qualifizieren. Denn die lange Suche nach einem passenden Bewerber stehe neben der Frage, wie lange sich eine branchenfremde Fachkraft in dem neuen Tätigkeitsfeld einarbeiten müsse, um erfolgreich zu sein. "Wir sollten nicht zulassen, dass Menschen in Arbeitslosigkeit sind, nur weil ihre Talente nicht genutzt werden."

Frau Knecht, sind wir nicht alle Quereinsteiger – in einer Wissensgesellschaft, in der es nur noch ein kurzes Haltbarkeitsdatum für einmal Erlerntes gibt?

Gefühlt schon. Aber wenn wir marktkonform definieren, sind wir keine Quereinsteiger im klassischen Sinn.

Wie lautet denn die richtige Definition?
Dr. Sylvia Knecht, Inhaberin der Beratungsagentur linch pinFoto: privat
Ich definiere Quereinsteiger als Menschen mit einer abgeschlossenen Ausbildung und beruflichen Erfahrungen und Kompetenzen, die einen Wechsel in einen Job anstreben, der völlig losgelöst von dieser Basis ist – aus welchem Motiv heraus auch immer, sei es Leidenschaft, Not oder Zufall.

Stehen diesen Quereinsteigern berufsrelevante Regeln, rechtliche Voraussetzungen oder fachliche Zertifikate im Weg?

Quereinstieg ist kaum möglich für Mediziner, Juristen, Wirtschaftsprüfer, Steuerberater, Apotheker, Handwerker (Meisterbrief) oder in Sicherheitsbereichen, in denen die fachliche Kompetenz unabdingbar rechtlich vorgeschrieben ist. Ansonsten ist das Problem hausgemacht. Denn Wissen, Können und Berufserfahrung sind in Deutschland dogmatisch an Leistungsnachweise gekoppelt. Und das Gehalt orientiert sich dann an diesen Voraussetzungen. Dabei wird doch schon jetzt deutlich, dass die Fachkräfte-Not erfinderisch macht.


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