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Man darf auch jenseits der 49 optimistisch in die berufliche Zukunft schauen.
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Arbeitsmarktchancen

Über 50 zu sein ist kein Ausschlusskriterium mehr

Wiwo.de, Kerstin Dämon
Die Winterdepression kommt bei den deutschen Arbeitnehmern an. Zumindest bei denen jenseits der 49. Sie schätzen ihre Chancen schlechter ein, als im Sommer. Dabei herrscht Frühlingsstimmung auf dem Arbeitsmarkt.
Wer derzeit einen Job sucht, hat eigentlich die freie Auswahl – könnte man meinen. Laut Statistik der Bundesagentur für Arbeit (BA) waren allein im September 686.797 Stellen unbesetzt. Das ist ein Plus von 14,5 Prozent gegenüber September 2015. "Die Kräftenachfrage hat damit auch über die Ferienmonate nicht an Schwung verloren. Die stark gestiegene Nachfrage zeigt sich auch in der Betrachtung nach Branchen: in nahezu allen Wirtschaftsabteilungen fällt die Zahl der gemeldeten Stellen derzeit höher aus als vor einem Jahr", kommentiert die Behörde.

Und diese gut 700.000 Vakanzen sind nur ein Bruchteil. Denn nicht jedes Unternehmen meldet seine freien Stellen auch der BA, wie eine Umfrage der Wirtschaftsverbände "Die Familienunternehmer" und "Die Jungen Unternehmer" exklusiv für die WirtschaftsWoche ergeben hat.

Demnach melden 30 Prozent der mittelständischen Unternehmer freie Stellen in ihrem Betrieb nur "selten" an die staatliche Arbeitsverwaltung, weitere 16 Prozent sogar "nie". Die befragten 580 befragten Firmenchefs suchen lieber selbst, als sich auf die staatlichen Arbeitsvermittler zu verlassen.

Unternehmen bemühen sich, offene Stellen zu besetzen

Das bestätigt auch die Studie "Fachkräftemangel 2016" des Personaldienstleisters ManpowerGroup. Demnach erwacht die deutsche Wirtschaft aus ihrer Lethargie und sucht auf allen Kanälen neue Mitarbeiter. Innerhalb von zwölf Monaten ist die Zahl der untätigen Unternehmen von 32 Prozent auf drei Prozent gefallen, heißt es in der Studie. Kein Wunder: 49 Prozent der befragten 42.000 Personalverantwortlichen gaben an, massive Probleme zu haben, offene Stellen zu besetzen. 2007 waren es nur 27 Prozent.

Gesucht werden vor allem Vertriebsprofis, Ingenieure und IT-Experten. Bei der BA spricht man außerdem von einem hohen Kräftebedarf im Handel sowie im Gesundheits- und Sozialwesen. Aber auch in der Zeitarbeit, im Verarbeitenden Gewerbe sowie im Bereich der unternehmensnahen Dienstleistungen sei der Bedarf an neuen Mitarbeitern weiterhin hoch. Es werden also nicht nur studierte Kräfte gesucht. "Grundsätzlich tragen die stabile wirtschaftliche Lage sowie das hohe Beschäftigungsniveau zur anhaltend hohen Kräftenachfrage bei", heißt es bei der BA.

Grund genug also für Wechselwillige und Arbeitslose, sich die Hände zu reiben und den besten Job rauszusuchen.

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