Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche
Karriere

Türöffner: Die Diplomarbeit im Unternehmen schreiben

Sara Kammler
Wer seine Abschlussarbeit in einem Konzern schreibt, wird häufig übernommen. Doch nicht immer klappt die Zusammenarbeit. Um Probleme zu vermeiden, sollten Studenten Details im Vertrag festhalten lassen.
Kann Türen öffnen: Die Abschlussarbeit in einem Konzern schreibenFoto: © Spectral-Design - Fotolia.com
Autos findet Jasmin Reising seit jeher spannend, und Schuld daran ist ihr Vater. Der frühere Gokart-Fahrer war so schnell unterwegs, dass er in die Formel 3 hätte wechseln können. Das wirkte ansteckend. Also bewarb sich die Tochter bei Daimler um einen Ausbildungsplatz zur Industriekauffrau. Eine Anstellung bekam sie nicht. Doch nach ihrer Lehre beim Keramik-Hersteller Ceramtec fing sie ihr Studiums des Internationalen Personalmanagements und der Organisation an und stellte sich wieder in Stuttgart vor. Diesmal als Praktikantin, und diesmal mit Erfolg.Gut zwei Jahre ist das her. Inzwischen schreibt die 26-Jährige ihre Diplomarbeit beim schwäbischen Autobauer. Reising hatte sich an ihre Betreuerin aus Praktikumszeiten gewandt, die sie wiederum weitervermittelte. Jetzt lernt sie den Konzern noch besser kennen, kann sich ein Netzwerk aufbauen und ihre Abschlussarbeit unter idealen Bedingungen schreiben. Darüber hinaus zahlt Daimler ihr 750 Euro im Monat.

Die besten Jobs von allen

Diese Vorteile nutzen viele Studenten. Die praxisbezogene Arbeit lockt sie - aber auch die Hoffnung darauf, nach der Diplomarbeit ein festes Arbeitsverhältnis mit dem Unternehmen einzugehen. Die Chancen dafür stehen gar nicht schlecht. Bei der Deutschen Bahn schreiben zum Beispiel rund 100 Studenten pro Jahr ihre Diplomarbeit. In einigen Bereichen "übernehmen wir 40 bis 50 Prozent in eine feste Stellung", sagt Volker Westedt, Leiter des Hochschulmarketings bei der Deutschen Bahn.Bei der Deutschen Lufthansa finden rund 20 Prozent der jährlich 30 bis 50 Diplomanden im Anschluss einen Job. Jan Lübke gehört zu diesem Kreis. "Die Diplomarbeit war meine Eintrittskarte in das Unternehmen", sagt der 28-Jährige. Heute betreut Lübke bei der Lufthansa ausländische Beteiligungen.Die Konzerne profitieren stark von den Arbeiten der Studenten. Häufig schreiben sie Themen auf ihrer Homepage aus, um sicherzustellen, dass für sie relevante Themen bearbeitet werden. Viele Konzerne unterhalten Kooperationen mit Lehrstühlen von Hochschulen. Auch aus laufenden Forschungen heraus entstehen regelmäßig Abschlussarbeiten. Häufig kennen sich Unternehmen und Studenten bereits aus Praktika, so wie im Fall von Reising und Daimler. "Es ist immer das Ziel, Ergebnisse aus den Abschlussarbeiten in konkrete Projekte umzusetzen", sagt Dirk Jakobs, der bei Daimler die Nachwuchsgewinnung und -entwicklung für das hauseigene Talentprogramm verantwortet.Der Blick von außen, den die Unternehmen durch die Studenten bekommen, ist besonders wichtig. So auch bei der Arbeit von Reising, die Marketingtools zur effektiveren Rekrutierung von Nachwuchskräften entwickelt und sich ferner Gedanken über die Vermarktung des Nachwuchsförderungsprogramms des Hauses macht. "Bei so einem Thema kann man sich schnell im Kreis drehen", sagt Dirk Jakobs, "da hilft es, wenn jemand neue Ideen hat."Auch Master- und Bachelorarbeiten können Studenten bei den Unternehmen schreiben. Allerdings bemängeln einige Personaler deren kurze Dauer. "Der Praxisbezug darf für die Studenten nicht verloren gehen", sagt Westedt. "Dies ist bei maximal zwei Monaten Zeit für die Arbeit allerdings nicht immer so gewährleistet, wie wir uns das wünschen." Und für Doris Krüger, Leiterin des Personalmarketings bei der Deutschen Lufthansa, nimmt die kürzere Dauer einer Bachelor- oder Masterarbeit den Studenten auch die Möglichkeit, einen "umfassenden Einblick in das Unternehmen zu gewinnen".

Fair Company | Initiative

 

Themen im Überblick