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Ende der Entschleunigung
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Entschleunigung

Trend mit Verfallsdatum

Ingrid Weidner, Zeit de
Die Arbeitswelt wird immer schneller, jeder Dritte fühlt sich gestresst. Die Nachfrage nach Coaching steigt. Doch ein Ende dieses Trends ist in Sicht.
Sich konzentrieren, länger an einer Sache arbeiten, ohne sich ablenken zu lassen, fällt vielen Berufstätigen schwer. Das Kommunikationsaufkommen in der Arbeitswelt hat stark zugenommen. Führungskräfte bekommen im Schnitt mehrere hundert E-Mails am Tag, zeigen Studien. Mehr als 30.000 im Jahr. Und auch Beschäftigte ohne Führungsposition klagen über elektronische Kommunikation. Es ist normal geworden, auch am Wochenende und im Urlaub Anfragen zu lesen und zu beantworten. Jeder dritte Berufstätige fühlt sich permanent gestresst und schafft es nicht mehr, richtig abzuschalten. Entsprechend groß ist Sehnsucht nach Ruhe.

"Mit der ständigen Verfügbarkeit von Informationen und News können manche nicht mehr unterscheiden, was nah und was fern ist. Sie reagieren mit Angst", sagt Matthias Horx. Er spürt die Trends von morgen auf. 1998 gründete er das Zukunftsinstitut, das mittlerweile Dependancen in Frankfurt am Main, München und Wien hat. Dass sich so viele Menschen Entschleunigung wünschen, überrascht Horx nicht. "Jeder Trend hat einen Gegentrend", sagt er.

Digitalisierung schürt gesellschaftliche Panik

Nach der großen Begeisterung für das Internet und die Geschwindigkeit, mit der Ideen weltweit verfügbar sind, setze Ernüchterung ein. Ständig online zu sein nerve viele, zugleich setze nicht wenigen Menschen das digitale Erregungspotenzial zu.

Skandale eskalieren im Netz viel schneller, anonym ist es einfach, eine Person digital an den Pranger zu stellen. "Wir entwickeln uns zu einer panischen Gesellschaft, Skandale und Hypes dominieren die Nachrichten. Das führt zu einer kognitiven Krise", sagt Horx. "Die Verherrlichung des digitalen Raums geht zu Ende. Viele wünschen sich die Kontrolle über ihre Gedanken und Gefühle zurück."

Trainings für Achtsamkeit, Yoga, Meditation und Konzentration werden daher stark nachgefragt. "Achtsamkeit löst den Trend Nachhaltigkeit ab", sagt Horx.

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