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Ratgeber

Tipps für Existenzgründer

Meike Fries/ Zeit.de
Jo B. Nolte berät Existenzgründer, auch in der ZDFneo-Dokumentation "Plan B". Der Profi weiß, wo die häufigsten Fehler begangen werden. Im Interview spricht er über die Tücken und Chancen auf dem Weg in die Selbstständigkeit.
Die Idee steht am AnfangFoto: © ktsdesign - Fotolia.com
Frau Nolte, Sie beraten in der ZDFneo-Doku "Plan B" Existenzgründer. Was sind klassische Fehler beim Schritt in die Selbstständigkeit?
Bei Kleinstgründungen starten viele unterfinanziert. Die Gründer kalkulieren so, dass sie bis zum Zeitpunkt der Geschäftseröffnung gerade so noch mit dem Geld hinkommen, ihnen fehlen aber Reserven für die nächsten Monate. Ein zweiter klassischer Fehler bezieht sich auf die Persönlichkeit. Oft unterschätzen Gründer ihre persönlichen Schwächen, was Ängste, den Umgang mit Risiko und Entscheidungskompetenzen betrifft.
Woran liegt es, dass viele die finanzielle Seite ausblenden?
Die Gründer, die ich begleite sind häufig Kreative aus Design, Kunst, Kultur und Musik. Kreativen liegt der Umgang mit Zahlen meistens ja von Haus aus schon nicht so sehr. Zum anderen gründen viele aus der Arbeitslosigkeit heraus. Die haben schlicht und ergreifend nichts auf der Tasche. Und die Banken sind nicht gerade großzügig mit Krediten für Gründer sondern begrenzen den Dispo genau dann, wenn man das Geld braucht. Daran scheitern viele Gründungen. Man kann es aber trotzdem schaffen. Wer finanziell nicht abgesichert ist, hat eben ein paar schlaflose Nächte mehr hat als jemand, der über eine ordentliche Kapitaldecke verfügt.

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Worauf muss ein Gründer achten, der sich von Freunden und Familie Geld leiht?
Wenn es zu Zahlungsverzögerungen oder -ausfällen kommt, werden Freundschaften und Familienbande auf eine harte Probe gestellt. Außer einer Schuldenvereinbarung, die besagt, dass jemand Schulden hat, sollte man auch gleich zu Beginn eine Rückzahlungsvereinbarung schriftlich festhalten.
Wie verhelfen Sie Gründern zum Erfolg?
Als Coach arbeite ich vor allem an der Unternehmerpersönlichkeit. Der Gründer muss natürlich bereit sein, auf seine Schwächen zu gucken und daran zu arbeiten. Es geht nicht darum, eine Persönlichkeit zu verändern, sondern darum, an der Einstellung zu arbeiten, um so eine Veränderung des Verhaltens zu erzielen. Außerdem unterstütze ich den Gründer in seinen Marketingaktivitäten. Das reicht von der Ideenfindung, über praktische Tipps zur Umsetzung bis zur Überwindung von Blockaden bei der Akquisition von Neukunden.
Wie gehen Sie vor?
Vor dem ersten Treffen kenne ich die Geschäftsidee und habe meist schon einen Business Plan oder das Konzeptpapier gelesen. Ich lasse mir die Idee aber immer noch einmal in eigenen Worten schildern, um herauszufinden, welche Motivation dahinter steckt. Dann klopfe ich ab, ob der Gründer qualifiziert ist. Für bestimmte Gründungen sind ja Qualifikationen wie ein Meisterbrief notwendig. In Frageform führe ich den Gründer an alle für ihn wichtigen Themen heran. Coaching ist Hilfe zur Selbsthilfe, die Lösungen muss sich der Gründer weitgehend selbst erarbeiten. Als Coach muss ich ja irgendwann auch entbehrlich sein. Natürlich gebe ich aber die Informationen weiter, die ich habe, zum Beispiel wenn jemand gar nicht weiß, dass er für sein Unternehmen eine behördliche Genehmigung braucht.
Was braucht ein Gründer unbedingt?
Eine Leidenschaft für die Sache, für die Idee. Wer für seine Idee brennt, hat immer auch die Kraft weiterzumachen und außerdem springt so auch der Funke zum Kunden über.
Sind Sie manchmal erstaunt, auf was für Geschäftsideen die Leute kommen?
Klar! Besonders spannend ist es, wenn es zwischen Ausbildung, bisheriger beruflicher Laufbahn und der Geschäftsidee gar keinen Zusammenhang gibt. Dahinter kann vieles stecken: Druck von den Eltern oder dem Partner, endlich etwas zu tun oder sogar ein Verzweiflungsschlag. Aber eben auch ein Geistesblitz, ein lange gehegter Traum. Es ist jedesmal eine einzigartige Geschichte, auch wenn es der 30. Grafikdesigner ist, der sich selbstständig macht.
(Zuerst erschienen auf ZEIT ONLINE)Lesen Sie mehr zum Thema "Selbständigkeit":Studenten als FirmengründerFranchise: Vorteile für GründerWelche Rechtsform ist richtig?
Dieser Artikel ist erschienen am 10.03.2010

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