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Richtig mit Kritik umgehen
Foto: Tony Northrup / fotoli.com
Richtig mit Kritik umgehen

Tacheles hilft

Katharina Matheis und Johannes Steger, wiwo.de
Egal, ob Manager oder einfache Angestellte: Alle müssen sich regelmäßig kritisieren lassen. Aber welches Feedback sollen wir ernst nehmen?
Die Renaissancefassaden der Augsburger Altstadt wirken so makellos, als hätten die Bürger erst vor Kurzem Richtfest gefeiert. Fast nichts trübt die Idylle. Wäre da nicht der Mann vor dem Rathaus mit dem selbst gebastelten Pappschild in der Hand, das er an einem langen Stock befestigt hat. "Ja zum Theater, nein zur Finanzierung", steht darauf. Etwa 500 Meter entfernt sitzt die Intendantin des Theaters in ihrem Büro und ist sichtlich genervt. Am Revers von Juliane Votteler pinnt ein Anstecker mit einem Herzen: "Ja, ich will. Jetzt! Theatersanierung." Auch Poster hinter ihrem Schreibtisch zeigen das Motiv. Eine Bürgerinitiative kämpft gegen den Umbau, Votteler steht in der Kritik.

Kritik ist die Voraussetzung für Veränderung
 
Das ist für sie als Intendantin inzwischen normal. Ihre Arbeit wird beobachtet, kommentiert und beurteilt. Sie ist verantwortlich, wenn das Publikum ein Bühnenstück nicht mag; sie erhält die Kritik stellvertretend für das gesamte Theater; und im Zweifel ist sie verantwortlich, wenn Mitarbeiter etwas falsch machen. "Daran musste ich mich erst gewöhnen", sagt Votteler. "Am Anfang war das furchtbar." An einem Brett vor ihrem Büro hängen sechs Zeitungsausschnitte – es sind die jüngsten Rezensionen, Lobeshymnen ebenso wie Verrisse. Pflichtlektüre für Votteler und ihre Mitarbeiter.
 
Kritik ist eine Grundvoraussetzung, um die eigene Leistung zu reflektieren. Denn externes Feedback liefert meist die entscheidende Information: Wie gut war meine Arbeit wirklich? Es sind die anderen, die spiegeln, wenn etwas besser hätte laufen können.
 
Doch genau deshalb ist Kritik so heikel. Werke und Ideen, die wir selbst geschaffen haben, sind unmittelbar mit uns verbunden. Niemand mag es, wenn seine Kreationen verurteilt werden. Deshalb lassen die meisten Kritik an sich abprallen oder ignorieren sie. Für Unternehmen ist das jedoch verheerend. Denn in einer Umgebung, in der alle alles toll finden, gedeiht sicher vieles – aber keine Exzellenz.

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