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Der erste Eindruck zählt
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Erster Eindruck im Job

Sympathieeffekt erfolgreich nutzen

Katja Scherer, wiwo.de
Der erste Eindruck ist mehr als wichtig. Er entscheidet auch im Job über den Erfolg. Wie man es richtig macht – und wie nicht.
Ob beim Bewerbungs- oder im Kundengespräch oder auch beim ersten Aufeinandertreffen mit neuen Geschäftspartnern: "Der erste Eindruck entscheidet stark darüber, wie erfolgreich ein Treffen wird", sagt Inga Freienstein, Psychologin beim Cologne Career Center. Warum das so ist, hat der US-Sozialpsychologe Solomon Asch bereits 1946 herauszufinden versucht: "Wir schauen eine Person an und haben sofort einen bestimmten Eindruck ihres Charakters."

Spätere Studien haben Aschs Beobachtung bestätigt. Der Saarbrücker Psychologe Ronald Henss etwa zeigte Studienteilnehmern Fotos von fremden Gesichtern und kam zu dem Schluss, dass seine Probanden schon nach 150 Millisekunden – der Dauer eines Lidschlags – sagen konnten, welches Alter die Person auf dem Foto hat, ob sie attraktiv erscheint und in welcher Stimmung sie ist. Und Wissenschaftler um Nicholas Rule von der Universität Toronto zeigten vor wenigen Monaten, dass sich im Gesicht sogar ablesen lässt, ob jemand arm oder reich ist.

Michelle Dauthe-Kunz hat den Einfluss der fix einschätzenden Blicke schon oft zu spüren bekommen. Die 25-Jährige studiert Maschinenbau an der Rheinischen Fachhochschule und bereitet sich in einem metallverarbeitenden Betrieb in Österreich auf ihre Masterarbeit vor. Sie ist 1,58 Meter groß, hat strohblonde Haare und trägt gern elegante Blazer und Blusen. Und sie hat den Eindruck, dass viele Kommilitonen und Kollegen sie auf den ersten Blick falsch einschätzen. "Klein und blond – wie passt das zu Maschinenbau?"

Nützliche Vorurteile

Oberflächlich? Frauenfeindlich? Sicher. Doch aus evolutionsbiologischer Sicht sind Vorurteile durchaus sinnvoll. Sie basieren auf Erfahrungen und gehorchen einer alltagspraktischen Lebensklugheit. Sie folgen einer leitenden Norm und statten die Menschen mit Handlungssicherheit aus: Nicht auszudenken, man müsste sich auch der flüchtigsten Bekanntschaft ausführlich, abwägend und rundum vernünftig nähern.

Wenn aber der schnelle Eindruck ein prägendes Vorurteil ist – wie ließe er sich nutzen? Wenn vor allem die ersten Minuten eines Treffens entscheidend sind für die Gunst, die man sich entgegenbringt – wie kann ich diese Gunst beeinflussen? Ganz einfach: Wer positiv und sicher auftritt, wirkt sympathisch und glaubwürdig. Ist dieses Ersturteil einmal getroffen, nehmen Menschen vor allem jene Eindrücke wahr, die es bestätigen. Oder anders gesagt: Es ist sehr schwierig, ein vorgeprägtes Image zu verändern.

Auch Personaler kennen ihn gut: den Halo-Effekt. Halo ist das englische Wort für den Heiligenschein, den man zum Beispiel Kollegen verpasst, die man einmal für sympathisch befunden hat. Man sieht dann nur noch die guten Seiten des Gegenübers – und das führt natürlich zu Trugschlüssen: Wer binnen weniger Sekunden seinen Kollegen abschätzt, kann nicht wissen, ob er auch tatsächlich kreativ, offen oder gewissenhaft ist.

Unsere Wirkung auf andere lässt sich trainieren

Reiner Neumann hat aus seinem Talent, souverän vor Gruppen aufzutreten, einen Beruf gemacht. Der Psychologe und Coach steht in einem Konferenzraum in einem Hotel, vor ihm sitzen vier Männer in Hemd und Jackett: Als Teilnehmer der Haufe-Akademie wollen sie von Neumann etwas lernen über ihre Wirkung. Und siehe da: "Die gute Nachricht ist, dass man den ersten Eindruck trainieren kann", sagt Neumann. Gestik, Mimik, Körperhaltung, Stimme, Artikulation – das alles bestimmt, wie wir wahrgenommen werden.

Lektion eins: der Stand. Hüftbreit, Beine fest auf den Boden, nicht wippen. Lektion zwei: die Körperhaltung. Schultern zurück, Kopf gerade. Lektion drei: ein fester Händedruck. Lappalien, klar, man kennt diese Tipps: die übliche Ratgeberprosa. Doch tatsächlich zeigen Studien, dass solche Kleinigkeiten den Unterschied machen. Beispiel Blickkontakt. Ein Mensch wirkt nun mal selbstbewusst und offen, wenn er einem anderen geradewegs in die Augen schaut.

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