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Stress
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Stress einfach umwandeln

"Stress ist, was du draus machst"

Teil 5: Flow und Stress hängen zusammen

So taufte der Psychologe Mihalyi Csikszentmihalyi in den Siebzigerjahren ein ganz besonderes Gefühl: wenn man einer anspruchsvollen Aufgabe gewachsen ist, alles im Griff hat und sich derart im Arbeitsfluss befindet, dass man alle Ablenkungen ausblendet.

Wechsel zwischen An- und Entspannung ist entscheidend

Aktuelle Studien der Psychologin Corinna Peifer, Professorin an der Ruhr-Uni Bochum zeigen, dass Flow und Stress zusammenhängen. In einer Untersuchung setzte Peifer die Teilnehmer zunächst großem Stress aus. Danach mussten sie eine komplizierte Computersimulation spielen. Und siehe da: Nicht diejenigen, die eine geringe hormonelle Reaktion auf den Stresstest zeigten, kamen bei der Aufgabe am stärksten in den Flow – sondern jene mit einer mittleren Hormonausschüttung. „Physiologisch gesehen sind die Übergänge zwischen Flow und Stress fließend“, sagt Corinna Peifer, „moderater Stress scheint Flow sogar zu fördern.“
 
Ganz ohne Einschränkung sollte man sich trotzdem nicht in den Stress stürzen. Denn auf die Ausnahmezustände der körperlichen Höchstleistung müssen Ruhephasen folgen. „Der Wechsel zwischen An- und Entspannung ist entscheidend“, sagt Peifer, „deshalb ist es wichtig, nach der Arbeit abzuschalten.“

Außerdem ist das Stressempfinden ohnehin subjektiv. Was der eine noch akzeptabel findet, bringt den anderen schon um den Schlaf. Ob man ihn als positiv oder negativ wahrnimmt, hängt zudem davon ab, ob man sich in der Lage sieht, ein Problem zu lösen oder nicht. „Wie groß eine Bedrohung für einen Menschen ist, lässt sich von außen nur schwer beurteilen“, sagt Tim Hagemann von der Hochschule der Diakonie. Wer nicht genügend Ressourcen zur Bewältigung der Bedrohung zur Verfügung hat, empfindet ein Problem eher als unlösbar. Die Folge: ein Gefühl von Hilflosigkeit.
 
Das verfolgt einige auch am Feierabend. „Es ist eine Besonderheit des Menschen, dass er sich mit seiner großen Vorstellungsgabe in stressige Situationen hineindenken kann, obwohl keine akute Gefahr besteht“, sagt Hagemann. Wer nachts im Bett über die Probleme im Büro grübelt, tut sich keinen Gefallen. „Stress ist ein toller Mechanismus“, sagt Hagemann, „aber nur, solange er nicht über längere Zeit konstant auftritt.“

Zuerst veröffentlicht auf wiwo.de
Dieser Artikel ist erschienen am 28.04.2016

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