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Stress
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Stress einfach umwandeln

"Stress ist, was du draus machst"

Teil 4: Helfen macht belastbarer

Dieser positive Effekt der Geisteshaltung könnte eine biologische Ursache haben, wie Jeremy Jamieson von der Harvard Medical School herausfand. Bei der typischen Stressreaktion beschleunigt sich der Herzschlag und die Adern verengen sich. Auf Dauer kann das zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen. Jamieson beobachtete an seinen Probanden: Wer Stress als hilfreich einstufte, dessen Adern verengten sich nicht, negative gesundheitliche Folgen blieben aus.

"The Upside of Stress"
 
Solche Studien haben mittlerweile einige Forscher dazu gebracht, ihre Einstellung zu überdenken. Eine prominente Vertreterin ist die Psychologin Kelly McGonigal, die an der Stanford-Universität lehrt. In einem viel beachteten Vortrag auf der Ideenkonferenz Ted rang sich McGonigal schon im Juni 2013 ein Geständnis ab: "Etwas, das ich in den vergangenen Jahren gelehrt habe, hat mehr Schlechtes bewirkt als Gutes. Ich hatte Stress zum Feind erklärt, jetzt habe ich meine Meinung geändert." Sie beichtete, dass sie Stress jahrelang verteufelt habe und vor allem darauf aus war, diesen Zustand zu vermeiden. Doch eben das würde die moderne Forschung widerlegen. "Es ist entscheidend, wie man über Stress denkt", sagt McGonigal. Heute ist die Psychologin geläutert, ihre Erkenntnisse fasste sie im Buch "The Upside of Stress" zusammen. Ihr Motto: "Stress ist, was du draus machst."

Einer von McGonigals liebsten Belegen stammt von Michael Poulin von der Universität Buffalo. Er ließ 850 Menschen von stressreichen Ereignissen erzählen, die sie im vergangenen Jahr erlebt hatten, und auch davon, wie viel sie anderen Menschen in dieser Zeit bei deren Problemen geholfen hatten. In den darauffolgenden fünf Jahren untersuchte er die Sterblichkeitsraten seiner Versuchsgruppe.
 
Wer hilft, ist belastbarer

Die erste Erkenntnis ist so naheliegend wie ernüchternd. Ein einschneidendes, stressreiches Erlebnis wie der Tod eines Angehörigen oder eine Scheidung erhöhten das individuelle Sterberisiko um 30 Prozent. Doch dieser Effekt verpuffte, wenn die Probanden gleichzeitig vielen ihrer Mitmenschen bei der Bewältigung ihrer Probleme halfen.

"Die schädlichen Effekte von Stress sind nicht unvermeidbar", sagt McGonigal, "Helfen macht belastbarer." Außerdem kann Stress noch mit einem weiteren Phänomen in Verbindung gebracht werden: dem Flow.

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