Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche
Stress
Foto: rangizzz / fotolia.com
Stress einfach umwandeln

"Stress ist, was du draus machst"

Teil 3: Positives Mindset kann Leben retten

Diese Geisteshaltung, das Mindset, sieht auch Alia Crum als wichtigen Faktor, um mit Stress gut zurechtzukommen. Die Psychologin, die heute an der Universität Stanford in Kalifornien forscht, untersuchte diesen Zusammenhang vor einigen Jahren mit zwei Kollegen genauer.

Yes, we can

Dabei baute sie auf früheren Forschungsergebnissen auf. Wissenschaftler hatten bereits belegen können, dass die innere Einstellung einen großen Effekt auf viele Dinge hat: Wer körperlich anstrengende Arbeit zum Beispiel als gutes Training interpretiert, wird dadurch fitter. Wer Intelligenz als eine beeinflussbare Größe sieht und nicht als gottgegebenes, festgelegtes Talent, lernt mehr und erzielt bessere Noten. Übertragen auf Stress, unterschied Crum daher in ihrer Studie zwischen den Mindsets "Stress ist belastend" und "Stress ist hilfreich".

In einem Experiment versetzte sie mehr als 300 Angestellte eines Unternehmens aus der Finanzbranche zufällig in eine dieser Geisteshaltungen. Dazu mussten die Kandidaten im Verlauf einer Woche Lehrvideos über die Folgen von Stress anschauen, die entweder positive oder negative Konsequenzen betonten. Mit einem Fragebogen versuchte Crum danach die Einstellung der Teilnehmer zu Stress zu messen und ihre gefühlte Produktivität und ihre Stimmung zu erfragen. Die subtile Manipulation wirkte: Diejenigen, die Videos mit positiver Botschaft zu Stress geschaut hatten, hatten dadurch eine größere Nähe zur "Stress ist hilfreich"-Einstellung bekommen und fühlten sich besser und produktiver.

Stress und Sterberisiko

Diese Haltung kann – überspitzt formuliert – sogar Leben retten, wie eine Studie von Forschern der Universität von Wisconsin-Madison im Jahr 2012 nahelegt. Das Team wertete einen Datensatz der nationalen Gesundheitsstatistik der USA aus, in dem 29.000 Menschen unter anderem Angaben dazu machen sollten, wie viel Stress sie empfanden und welchen Einfluss er in den vergangenen zwölf Monaten auf ihre Gesundheit gehabt hatte.

In den darauffolgenden acht Jahren analysierten die Forscher die Todesstatistik und suchten nach einem Zusammenhang zwischen dem gefühlten Stress und der Sterbewahrscheinlichkeit. Die Korrelation, die sie aufdeckten, war eindeutig: Wer viel Stress empfand und gleichzeitig dessen großen Einfluss auf die Gesundheit befürchtete, hatte ein um 43 Prozent erhöhtes Risiko, frühzeitig zu sterben. Wer seine Gesundheit dagegen nicht durch Stress beeinträchtigt sah, hatte kein höheres Sterberisiko.

Themen im Überblick

Fair Company | Initiative