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Stress
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Stress einfach umwandeln

"Stress ist, was du draus machst"

Teil 2: Stressreaktionen sind Turbolader

Seitdem der österreichisch-kanadische Mediziner Hans Selye im Jahr 1936 den Begriff "Stress" zum ersten Mal prägte, schwang immer ein negativer Unterton mit. Stress galt als Belastung, die man zwar eine Zeit lang aushalten konnte, aber am besten war doch ihre Vermeidung. Selye unterschied später zwar zwischen förderlichem Eustress und schädlichem Disstress. Doch die Idee, dass man allein durch die innere Einstellung die Konsequenzen beeinflussen könnte, ist neu.

Dabei ist schon lange bekannt, dass die Stressreaktion, rein biologisch betrachtet, wie ein Turbolader wirkt. Das geschieht automatisch, wenn man mit etwas konfrontiert wird, das sich den eigenen Zielen in den Weg stellt. Das Herz pumpt mehr Blut in Arme, Beine und ins Gehirn, das Immunsystem und der Verdauungstrakt laufen auf Sparflamme, Stresshormone wie Cortisol und Adrenalin durchfluten den Körper. "Stress ist eine sehr feine Anpassungsreaktion des Körpers auf Anforderungen von außen", sagt Tim Hagemann, Professor für Arbeitspsychologie an der Fachhochschule der Diakonie in Bielefeld.

Einstellung zum Stress ist entscheidend

Doch genau an diesem Punkt kommt es zur entscheidenden Unterscheidung: Ob man diese Reaktion als positiv ("Jetzt erst recht!") oder negativ ("Das schaffe ich nie!") empfindet, entscheidet darüber, eine stressige Situation zu meistern – oder daran zu scheitern. Der Gedanke dahinter: Indem man seine Einstellung zum Stress ändert, beeinflusst man seine Folgen.

Wie das funktioniert, zeigte kürzlich ein Experiment der Psychologin Wendy Berry Mendes von der Universität von Kalifornien in San Francisco. Sie lud Studenten in ihr Labor ein, wo sie den Hochschulzulassungstest Graduate Record Examination (GRE) absolvieren mussten. Die Hälfte der Teilnehmer erhielt vorab die Information, dass die körperliche Stressreaktion die Leistung verbessert. Die andere Hälfte bekam keine Information dazu.

Hindernis als Herausforderung sehen

Wenig überraschend: Alle Freiwilligen standen während der Prüfung unter Stress. Doch sammelten diejenigen, die ihn als leistungsfördernd interpretierten, mehr Punkte. Noch Monate später erwies sich die Information als hilfreich: Wer in dieser Zeit den GRE außerhalb des Labors ablegte, erzielte ebenfalls bessere Ergebnisse.

Sieht man das Hindernis als Herausforderung und die körperliche Reaktion als leistungssteigernd, ist das Gelingen wahrscheinlicher, so das Fazit der Forscher.

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