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Stresskarussell
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Kein Burn-out

Stopp für das eigene Stress-Karussell

Tina Groll, zeit.de
Der Fehler liegt im System: Immer mehr Menschen erkranken an Burn-out. Weil sie zu lange im Büro hocken, weil sie überzogene Erwartungen erfüllen wollen, weil ihre sozialen Kontakte ständig abnehmen. Solange es keine Anti-Stress-Gesetze gibt, bleibt nur die persönliche Exit-Strategie, sagt die Expertin Carola Kleinschmidt.
Frau Kleinschmidt, die Anzahl der an Burn-out Erkrankten steigt von Jahr zu Jahr. Ist der Höhepunkt schon erreicht?

Carola Kleinschmidt: Ich befürchte, nein. Gestresst zu sein, gehört zum guten Ton – und zu unserem Alltag. Obwohl in Politik und Wirtschaft über eine Anti-Stress-Verordnung diskutiert wird, hat sich die Arbeitskultur wenig verändert. Noch immer scheint es für die Karriere entscheidend zu sein, wie lange jemand im Büro ist. Auch die Bereitschaft, im Feierabend und im Urlaub für die Firma erreichbar zu sein oder sogar zu arbeiten, ist nicht gesunken. Es gibt allerdings einen Unterschied zwischen Männern und Frauen. Frauen machen in der Regel weniger Überstunden. Und sie geben in den Befragungen auch weniger oft an, in ihrer Freizeit zu arbeiten.

Und trotzdem erkranken Frauen häufiger an Burn-out. Wie passt das zusammen?

Das hängt mit der traditionellen Rollenverteilung zusammen. Studien zeigen, dass Frauen den Großteil der Hausarbeit verrichten und auch mehr von der Erziehungsarbeit übernehmen. Bei kinderlosen Paaren verteilt sich die Hausarbeit noch recht gleich. Sobald Kinder da sind, bleibt vieles dann meist ganz an ihr hängen.

Frauen wollen überzogene Erwartungen erfüllen, die zum Teil auch von außen ziemlich hart vorgegeben sind. Sie wollen eine gute Mutter, Ehefrau und Hausfrau sein, aber auch ihren Beruf nicht vernachlässigen. Was die Burn-out-Statistiken angeht, kommt hinzu, dass Stresserkrankungen gehäuft in schlecht bezahlten sozialen Berufen vorkommen. Diese Berufe sind meist Frauendomänen.

Burn-out als Geißel der Emanzipation?

So würde ich es nicht nennen. Denn die Männer holen bei den Burn-out-Erkrankungen ordentlich auf. Stresskrankheiten greifen um sich, weil das System so ist. Noch gibt es im Arbeitsschutz keine konkreten Anti-Stress-Vorschriften, wohl aber viele Paragraphen, die die psychische Gesundheit schützen sollen. Allerdings werden sie von den Unternehmen kaum umgesetzt. Solange dies so ist, ist der Einzelne auf sich selbst angewiesen und kann nichts anderes tun, als den Umgang mit Stress auf individueller Ebene zu lösen. Dazu muss man sich die Mechanismen des eigenen Stresskarussells bewusst machen.


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