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Starke Doppelspitze
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Machtgefüge

Starke Spitzen

Claudia Obmann
Doppelspitzen im Management sind en vogue. Rivalität dient nicht nur als Motor im Geschäft. Chef-Doppel geben auch neue Impulse und Perspektiven. In Zukunft könnte dieses Führungsmodell an Bedeutung gewinnen.
Aus eins mach zwei: Doppelspitzen im Management kommen in Mode. Gerade hat Microsoft seinen wichtigsten Umsatzträger, das Windows-Geschäft, in die Hände von zwei neuen Chefinnen gelegt. Bislang wurde dieser Bereich von Microsoft-Urgestein Steven Sinofsky allein geleitet. Julie Larson-Green und Tami Reller, die sich seit Jahren aus Management-Positionen kennen, teilen Sinofskys Aufgaben nun untereinander auf: Larson-Green wird Soft- und Hardware verantworten, Reller Finanzen und Marketing. 

Bei der RTL Group räumte Gerhard Zeiler nach neun Jahren im Frühjahr den Chefsessel. Die zielstrebige und kostenbewusste RTL-Deutschland-Chefin Anke Schäferkordt, seit 24 Jahren für den Bertelsmann-Konzern tätig, und der Belgier Guillaume de Posch, der erst zu Jahresbeginn von Zeiler als Chief Operating Officer der RTL Group nach Luxemburg geholt worden ist, leiten seitdem den europäischen TV-Primus als Tandem. 

Die besten Jobs von allen


Und die Deutsche Bank hat ihre dritte Doppelspitze in nur einem Jahr installiert: Beinahe zeitgleich zum Amtsantritt von Anshu Jain und Jürgen Fitschen an der Vorstandsspitze im Sommer hat die Bank sowohl das Investment-Banking in Deutschland als auch weltweit in die Hände weiterer Chef-Duos gelegt

Mittelstand macht's vor

Wenn internationale Konzerne wie Microsoft, RTL, die Deutsche Bank oder SAP Doppelspitzen bilden, sorgt das für Aufsehen. Dabei hat sich das Modell der geteilten Macht im deutschen Mittelstand längst bewährt: Die Cousins Claus und Gunnar Heinemann zum Beispiel führen gemeinsam seit zwei Jahrzehnten die größte Duty-Free-Kette Europas.

In Wuppertal leiten Christian Zimmermann und Franz Neumann seit dem Rückzug des Seniorchefs 2002 den Automobilzulieferer Böddecker.

Und die Mieles und Zinkanns demonstrieren seit inzwischen vier Generationen beim Haushaltsgerätehersteller Miele in Gütersloh, wie man sogar eine Doppelspitze aus zwei Familien zum Erfolg führen kann. 

Management-Philosophie im Wandel

Das Phänomen könnte in Zukunft aber noch viel öfter zu beobachten sein, denn die Management-Philosophie wandelt sich grundlegend. Weg von "alles hört auf mein Kommando" hin zu mehr Teamwork.

Dafür sorgt zum einen die neue Generation junger Führungskräfte, die nicht viel von Hierarchien halten. Zum anderen nimmt die Komplexität des Geschäfts so stark zu, dass ein zweiter Spezialist gefragt ist, der die Hälfte der Gesamtverantwortung schultert.

Personalberater Lothar Grünewald, der schon die ein oder andere Doppelspitze im deutschen Mittelstand besetzt hat, weiß: "Werden Rollen und Funktionen sinnvoll geteilt, kann das entlastend wirken." Vorausgesetzt natürlich, die Chemie zwischen den Partnern stimmt


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