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Gleichstellung

Staatsbetriebe sind eine frauenfreie Zone

Cornelia Schmergal / wiwo.de
Die Bundesregierung droht mit einer Frauenquote. Doch ausgerechnet die Führungsetagen aller großen Unternehmen, die der öffentlichen Hand gehören, behaupten sich als frauenfreie Zonen.

Warten auf das Startsignal: Frauen sind in Unternehmen der öffentlichen Hand unterrepräsentiert. Foto: St. Momberg/Pixelio
Komplettausfall in Sachen Gleichberechtigung

Steigern reine Männerrunden Ihr persönliches Wohlbefinden? Fühlen Sie sich von einer Frau im Chefsessel bedroht? Haben Sie Schwierigkeiten mit einer Dame, die im Vorstandszimmer etwas anderes tut, als den Kaffee zu servieren? Dann sollten Sie sich um eine Führungsposition in einem Unternehmen mit staatlicher Beteiligung bewerben. Ach ja: Sie sollten natürlich ein Mann sein. Sonst hätten Sie ohnehin keine Chance.

Mögen in die Chefriegen und Aufsichtsräte der Privatwirtschaft auch immer mehr Damen einziehen: Die Führungsetagen aller großen Unternehmen, die ganz oder teilweise der öffentlichen Hand gehören, behaupten sich noch als frauenfreie Zonen. In den Vorständen ehemaliger oder aktueller Staatskonzerne wie Deutsche Bahn, Post, RAG-Stiftung oder Bundesdruckerei finden sich exakt null Frauen. Nur die Telekom – derzeit auch ohne weiblichen Vorstand – hat aktuell zwei Frauen in ihr oberstes Führungsgremium berufen.

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Auch die Länder erweisen sich als Anteilseigner in Sachen Gleichberechtigung als Komplettausfall: In keiner einzigen Landesbank von West bis Ost, von Nord/LB bis BayernLB, hat es eine Frau auf einen Vorstandssessel geschafft. Willkommen in der letzten Männerenklave.

Dass Vater Staat mit weiblichem Führungspersonal so wenig anzufangen weiß, ist für ihn allerdings doppelt peinlich. Schließlich droht die Bundesregierung privaten Unternehmen seit Monaten mit einer Frauenquote für Vorstände und Aufsichtsräte. In der freien Wirtschaft zumindest ist seither einiges in Bewegung geraten: Immerhin sechs Frauen rückten inzwischen in die Chefetagen der Dax-30-Unternehmen ein, die zuvor eine reine Männerdomäne waren. Und unter allen Aufsichtsräten der Kapitalseite finden sich nunmehr 27 weibliche Kontrolleure. Nur in den Staatsbetrieben bewegt sich nichts.

Im Juni 2009 hatte die Regierung den Unternehmen mit öffentlicher Beteiligung eigene Leitlinien verordnet, den sogenannten „Public Corporate Governance Kodex des Bundes“. Doch das Thema Frauen fällt darin denkbar knapp aus. Lapidar weist das Regelwerk darauf hin, dass bei der Wahl des Überwachungsorgans „auch auf eine gleichberechtigte Teilhabe von Frauen hinzuwirken“ sei. Das soll wohlgemerkt nur für Kontrolleure gelten. Von Vorständen ist überhaupt keine Rede.

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