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Für Gründer ist China ein Sprung ins kalte Wasser.
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Junge Gründer

Sprung ins kalte Wasser

Teil 3: Vom Stipendiat zum Gründer in China

Viel tiefer in die chinesische Gesellschaft ist dagegen Lech Alexander Murawski eingetaucht. Der inzwischen 29-jährige Mechatronik-Spezialist, der in Dresden studiert hat, kam Ende 2011 mit einem Heinz-Nixdorf-Stipendium nach China und hat sich dort inzwischen als Unternehmer niedergelassen. Nach fünf Wochen Intensivsprachkurs in Deutschland und zwei Monaten Sprachtraining in der Sechsmillionenstadt Jinan, von der Murawski zuvor noch nie gehört hatte, begann er sein Praktikum im südlichen Shenzhen beim chinesischen Unternehmen Seeed Studio.

Den Job hatte der junge Berufstätige durch eine Initiativbewerbung gefunden: Nachdem ihm ein Produkt des Unternehmens in einer Fachzeitschrift aufgefallen war, schrieb er eine Mail an den Mittelständler in Shenzhen &ndash und wurde prompt genommen. "70 Chinesen und ich. Das war ein Sprung ins kalte Wasser", erinnert Murawski sich.

Shenzhen, die erste Sonderwirtschaftszone Chinas, war vor 30 Jahren noch ein Fischerdorf. Inzwischen hat die Zwölf-Millionen-Einwohner-Stadt den Nachbarn Hongkong mit seinen acht Millionen Bürgern überholt, ist zum Zentrum der chinesischen Elektronik- und Telekommunikationsindustrie aufgestiegen. Bis vor zehn Jahren war hier die Werkbank der Welt, inzwischen arbeiten die Stadtplaner an einer schönen, sauberen Stadt – für den Deutschen eine "lebenswerte" Metropole.

"Maker Space"

Murawskis rasante Karriere in Shenzhen passt zur Dynamik dieses Orts, an dem Hochhäuser scheinbar über Nacht hochgezogen werden und in dem sich Gründer in einem "Maker Space" treffen. Zentren, in denen Bastler und Erfinder ihre Ideen mit geliehenen Werkzeugen günstig verwirklichen können und potenzielle Geschäftspartner treffen.

Nach Abschluss des Praktikums im Juli 2012 verschob Murawski kurzerhand seinen Heimflug und gründete ein Unternehmen: Noa Labs – allein und ohne Investoren. Ausländischen Kunden bietet er Ingenieurdienstleistungen an. Seine Schwerpunkte sind das Internet der Geräte und Robotik.

Fruchtbare Verbindung

"Für das Geld, für das in Deutschland ein einziger Ingenieur arbeitet, kann ich mir hier fünf gute Leute leisten", sagt er. Inzwischen hat der 29-Jährige zwölf Mitarbeiter. "Ich bin erst 14 Monate in Shenzhen. Gefühlt sind es aber drei Jahre", sagt der Deutsche. Denn "Chinesen sind dynamisch und unkompliziert. Sie krempeln die Ärmel hoch und sammeln Erfahrungen, während man in Deutschland noch überlegt, ob man überhaupt anfangen soll."

Was bei unkomplizierten Produkten gut sei, bei komplexeren Themen aber auf Kosten der Qualität gehe. Murawskis Credo: "Der ideale Weg liegt zwischen der chinesischen Unkompliziertheit und der deutschen Gründlichkeit."
Dieser Artikel ist erschienen am 30.09.2013

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