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Für Gründer ist China ein Sprung ins kalte Wasser.
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Junge Gründer

Sprung ins kalte Wasser

Teil 2: Noch sind Missverständnisse groß

Mit den enger werdenden Wirtschaftsbeziehungen nimmt die Zahl derjenigen Angebote zu, die junge Deutsche auf ihre Zusammenarbeit mit Chinesen vorbereiten, Kenntnisse über die Eigenheiten von Land und Leuten vermitteln und für die fernöstliche Kultur sensibilisieren sollen, in der Ausländer allzu leicht ihr Gesicht verlieren.

Noch sind die Missverständnisse zwischen den Kulturen groß: Hühnchen Kung-Pao kennt der Durchschnittsdeutsche; über die Regeln für Beziehungsgeflechte etwa, ohne die im chinesischen Geschäftsalltag nichts geht, wissen nur die wenigsten Bescheid. Viele chinesische Sitten scheinen Europäern noch immer so unverständlich wie die uniformierten Massen zu Maos Zeiten.

So arbeitet der Telekommunikationsausstatter Huawei – nicht ganz unumstritten wegen seiner vermeintlichen Nähe zum chinesischen Militär daran, mit Studien, Schulungen und Diskussionsrunden hierzulande das China-Bild zu verändern. "Als größtes chinesisches Unternehmen in Deutschland will Huawei in einen interkulturellen Dialog treten", sagt Olaf Reus von der Geschäftsleitung in Düsseldorf. Teilnehmer an Austauschprogrammen wie Claudia Hecht sollen zu Hause zu Multiplikatoren werden und für den chinesischen Arbeitgeber an deutschen Unis werben.

Überraschende Erfahrungen

In diesem Jahr lud das Unternehmen erstmals deutsche Studierende einen Monat lang zum Schnuppern inklusive Sprachkurs in die Hauptstadt Peking, auf den Huawei-Campus bei Shenzhen und ins Rechenzentrum nach Hongkong ein. Dort dinierte Claudia Hecht mit dem Huawei-Vizepräsidenten beim deutschen Botschafter, verbrachte mit chinesischen Studenten Abende in der Karaoke-Bar oder diskutierte mit ihnen über Politik. "Chinesische Jugendliche sind erstaunlich offen und prangern auch ihre Regierung an. Das hat mich überrascht", sagt die 24-Jährige.

Der Elektrotechnik-Studentin ist klar, dass sie Chinesisch nicht neben Studium oder Arbeit lernen kann und daher nur in einer internationalen Stadt wie Peking, Schanghai oder Hongkong arbeiten könnte. "Auf dem Huawei-Campus mit 40 000 Mitarbeitern bin ich mit Englisch gut durchgekommen, in Shenzhen dagegen bringt einen Englisch überhaupt nicht weiter", hat sie erlebt. "Für junge Deutsche gibt es in China gute Arbeitsmöglichkeiten. Man bleibt allerdings immer in einer internationalen Blase."

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