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Weiterbildung

Sprachreisen unter der Lupe

C. Obmann
Wer sein Business English schnell aufpeppen will, bucht am besten eine Sprachreise. Bei Unterkunft, Unterricht & Co. kann allerdings vieles schief gehen. Vom Praktikanten bis zur Führungskraft - Junge Karriere empfiehlt die passenden Schulen in Großbritannien, Irland und Malta.
BigBen ist immer eine Sprachreise wertFoto: © aboutpixel.de, snygo
Erfahrungsbericht: 
Kein Toilettenpapier, kein Schreibtisch für die Hausaufgaben. Dafür schnarchte in Jan Schneiders* Einzelzimmer unerwarteterweise ein Mitschüler im Etagenbett. Die angeblich zentrale Lage der von ihm gebuchten Sprachschule in St. Julians auf Malta entpuppte sich als Hinterhof im Nirgendwo. "Ganz zu schweigen vom Baulärm während des Unterrichts, der in größeren Gruppen als im Prospekt angepriesen stattfand und von gestressten Lehrern geleitet wurde", erzählt der 30-jährige Nachwuchsmanager aus der Chemiebranche von seinem Sprachreisen-Debakel im letzten Sommer.
Selbst der kürzeste Auslandsaufenthalt bringt mehr als jede noch so fleißige Vokabel-Paukerei zu Hause, da sind sich Experten einig. Doch damit der Trip auch zum Erfolg wird, ist bei der Wahl des optimalen Angebots vielerlei zu beachten - je nach eigenem Kenntnisstand, den persönlichen Bedürfnissen und dem jeweiligen Zeit- und Finanzbudget.

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Wichtigste Entscheidung: 
In welches Land soll die Reise gehen? Beliebtestes Ziel bei Erwachsenen, die Englisch pauken wollen, ist Malta. Die in zweieinhalb Stunden mit dem Flugzeug erreichbare Mittelmeerinsel lockt mit ganzjährig mildem Klima und echten Schnäppchenpreisen in der Nebensaison: 14 Tage Business-English-Unterricht inklusive Privatunterkunft und Frühstück gibt´s schon ab 600 Euro.
"Im Sommer allerdings drohen dort regelmäßig Überbuchungen", weiß Barbara Engler von der Stuttgarter Aktion Bildungsinformation e.V. (ABI). Die unabhängige Prüfstelle von Sprachschulen im Ausland setzt sich für mehr Transparenz in Sachen Sprachkurse und -reisen ein. Um übervollen Kursen und Unterkünften in der Sommersonne zu entgehen, rät die Expertin Berufstätigen lieber auf Großbritannien und Irland auszuweichen. Hier sind die Kapazitäten per se deutlich größer.Rund 150 Anbieter von Sprachreisen tummeln sich im deutschsprachigen Raum, nur 50 von ihnen arbeiten professionell, wie der Fachverband Deutscher Sprachreise-Veranstalter (FDSV) festgestellt hat. Als Profis gelten Anbieter, die in das Reiseveranstaltungsregister eingetragen sind und eine Konkursausfallversicherung besitzen.Und: 
Wer das Programm eines deutschen Veranstalters direkt bucht, genießt den größtmöglichen gesetzlichen Schutz. Dafür lohnt es sich, auf einen kleinen Preisvorteil zu verzichten. Für die oft billigere Direktbuchung bei ausländischen Schulen muss der Reisende eine wesentlich ungünstigere Rechtsposition in Kauf nehmen.
Praktika und Prüfungen im Trend: 
Die Motivation, den eigenen Arbeitsplatz zu sichern oder sich weiterzuqualifizieren, spielt eine zunehmend wichtige Rolle für deutsche Berufstätige. Zusätzliche Sprachkenntnisse, speziell Englisch-Know-how, sind das Weiterbildungsthema Nummer eins der Bundesbürger. Im Trend liegen laut dem FDSV schon für Studenten und Hochschulabsolventen Sprachkurse mit einem begleitenden oder anschließenden Praktikum: So lassen sich die neuen Kenntnisse gleich ausprobieren und nebenbei Arbeitserfahrungen im Ausland sammeln.
Wie für Examensvorbereitungskurse brauchen Exil-Praktikanten allerdings mehrere Wochen oder gar Monate Zeit. Der Einsatz lohnt sich. Denn offiziell anerkannte Prüfungszertifikate und Praktika-Bescheinigungen machen sich in der Bewerbungsmappe sehr gut. Mit dem "Cambridge Certificate in Advanced English" oder dem "Cambridge Certificate of Proficiency in English" sowie dem TOEIC-Ergebnis lassen sich professionelle Englischkenntnisse nachweisen.Ob Berufseinsteiger oder Professional, den passenden Kurs aus der riesigen Themenpalette zu filtern, ist eine Kunst: Die einen brauchen Fachvokabular, zum Beispiel für Ingenieurwesen oder Juristerei, die anderen wollen Meetings und Präsentationen einüben. Die dritte Gruppe benötigt Nachhilfe in Smalltalk und Networking mit internationalen Geschäftspartnern, wieder andere müssen Mitarbeiter auf Englisch führen und motivieren.Um individuelle Lernfortschritte zu erzielen, ist ein Einstufungstest zwingend. Daraus sollte die Einordnung in nicht weniger als sechs Kursniveaus vom Anfänger bis zum weit Fortgeschrittenen erfolgen. Chemiemanager Jan Schneider brachte sein Kursbesuch dagegen herzlich wenig: "Wer einigermaßen gut war, wurde automatisch in den Top-Level fünf eingestuft. So konnte ich meine Englischkenntnisse beim Kurs auf Malta überhaupt nicht verbessern."Um darüber hinaus Frust und Enttäuschung im Unterricht zu vermeiden, sollte man sich vorab nach Mindest- oder Durchschnittsalter der Kursteilnehmer erkundigen. Ein Kurswechsel sollte vor Ort jederzeit möglich sein. Da Führungskräfte nur ungern mit Praktikanten im Kurs sitzen, spielt die Zusammensetzung der Teilnehmer eine wichtige Rolle für den Erfolg. Sonst knistert´s oder kracht?s bei gemeinsamen Grammatikübungen und Rollenspielen. Manager mit Termindruck sind ohnehin mit Einzelunterricht besser bedient.Trotz sorgfältigster Vorbereitung und Unterrichtseffizienz sollte jedem Sprachreisenden klar sein: Auch das intensivste Training kann Teilnehmer innerhalb von ein bis zwei Wochen nicht von der Grundstufe zur Verhandlungssicherheit hieven.
* Name von der Redaktion geändert.
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