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Spiel ums ganz große Geld
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Jobs an der Wall Street

Spiel ums ganz große Geld

Teil 2: Keine Strategie zu haben ist eine Strategie

Die Columbia nimmt bis zu drei Bewerber aus Deutschland pro Jahr, sagt er. Er muss es wissen, denn inzwischen sucht er diese Bewerber selbst mit aus. Noten spielen eine Rolle, aber auch die Persönlichkeit und die Interessen. Wie an allen US-Universitäten, wird auch der Sport hoch geschätzt.

Dennoch gilt: "Es kann auch einem Deutschen Meister im Judo oder jemandem mit einem Schnitt von 1,0 passieren, dass er abgelehnt wird. Man muss auch Glück haben." Wer sich bewirbt, wird häufig zu einem Interview mit einem Ehemaligen, zum Beispiel ihm, eingeladen. Nur manchmal gelingt der Einstieg auch ohne.

Der Abschluss an der Columbia verschaffte ihm den Einstieg bei der Citibank. Er gehörte dort zu einer Gruppe, die beim Verkauf von Fußball-Klubs mitmischte und beriet. "Das war wie das Videospiel ‚Bundesliga-Manager‘, nur in echt", sagt er. Seine Gruppe hatte unter anderem mit Transaktionen der Klubs Liverpool und Chelsea zu tun.

Krise als Chance


"Ich hätte diesen Job nie für etwas anderes aufgegeben außer dafür, mich selbstständig zu machen", sagt Rudy. Und das tat er, ausgerechnet 2008, im Horrorjahr der Finanzkrise. "Da gab es große Kursschwankungen und damit auch große Chancen", erzählt er. Die erste Aktie, die er für seine eigene Firma kaufte, war Apple. Das erste Geld bekam er von seiner Sparkasse in Deutschland, am Bodensee, der Berater kannte ihn noch aus der Schulzeit.

Seine Strategie ist simpel. "Ich habe keine Strategie", sagt er. Denn jede Börsensituation ist anders. Zurzeit hält er sich an das Prinzip, unterbewertete Aktien zu suchen. In den nächsten Jahren will er auch in junge Unternehmen investieren, die nicht an der Börse notiert sind. Angefangen hat er schon mit zwei Neugründungen, die Software für "Financial Education" entwickeln, also den Amerikanern den Umgang mit Geld beibringen wollen. Seit dem Ausbruch der Finanzkrise ist das ein Riesenthema.

Auch privat ist der Hedgefonds-Manager, der jede Entscheidung selbst trifft, zufrieden. Er trägt stolz eine Nadel mit einem kleinen Brillanten, die ihn als Präsidenten des Rotary Clubs der Wall Street ausweist. Vor kurzem hat er eine New Yorkerin geheiratet – die auch ihre eigene Firma hat, im Eventmanagement.

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