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Aufsichtsräte

Sparrings-Partner für den Vorstand

Stefani Hergert
Hauptversammlungen sind sein Arbeitszimmer. Der Ex-Chef der Deutsche-Bank-Fondstochter DWS, Christian Strenger, sitzt heute im Aufsichtsrat von Evonik, Fraport und DWS. Der Corporate-Governance-Experte tritt auch als Aktionärsschützer auf, bei Porsche strengt er gerade eine Sonderprüfung an. Im Interview spricht er über seine Rolle und Konflikte der Aufseher.
Christian StrengerFoto: © HHL
Herr Strenger, sind die Kontrollämter nicht längst mit Vorstandsposten vergleichbar?
Nein, man ist Kontrolleur und Sparringspartner für den Vorstand, aber nicht selbst Vorstand. Ein Aufsichtsrat darf nicht die Arbeit des Vorstands machen. Das wird nur gelegentlich vergessen.
Welche Kandidaten braucht man für solche Ämter?
Sicherlich Kandidaten mit einem anderen Profil als für einen Vorstandsposten. Das Problem vieler CEOs ist, dass sie ihre Cheffunktion im Aufsichtsrat fortleben wollen. Man braucht dort aber Persönlichkeiten, die zwar nachhaltig erfolgreich waren, jetzt aber bereit sind, sich in die Aufsichtsratsarbeit zu integrieren und dabei auch mal einen Schritt zurückzutreten.

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Und inhaltlich?
Strenger: Aufsichtsräte müssen nicht einfach nur Zahlen kontrollieren, sie müssen die Vorstände begleiten - und daher wissen, wie das Geschäft läuft. Jeder Aufsichtsratsvorsitzende ist gut beraten, ein funktionierendes Team mit unterschiedlicher Expertise zusammenzustellen. Der Einzelne kann nicht Fachmann für alles sein.
Warum läuft die Suche dann noch immer unter der Hand?
Die Suche über Personalberater nimmt zu. Aber das Wissen um die richtigen Personen haben die Personalberater ja nicht alleine für sich gepachtet.
Sie treten als Aktionärsschützer auf. Wie verträgt sich das mit ihren Aufsichtsratsmandaten?
Im Gegensatz zu den Schutzgemeinschaften für Privataktionäre vertrete ich regelmäßig die Interessen institutioneller Anleger. Falls es Konfliktpotenzial aufgrund meiner Aufgaben gibt, weise ich immer darauf hin, in welcher Funktion ich gerade auftrete - bei Porsche etwa eindeutig als privater Aktionär. Natürlich gibt es gelegentlich freundschaftlich gemeinte Fragen, ob das sein muss.
Dieser Artikel ist erschienen am 24.09.2010

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