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Vermögenswirksame Leistungen

Sparen mit Sonderzahlungen vom Chef

Catrin Gesellensetter
"Vermögenswirksame Leistung" klingt wie eine Erfindung von anno dazumal, ist aber viel sexyer als der angestaubte Name vermuten lässt: Mit ihr bekommen auch Berufseinsteiger ein bisschen Extrakapital fürs Sparen - und zwar geschenkt.
Bausparen mit dem Geld vom ArbeitgeberFoto: © Fotoplaner - Fotolia.com
"Sagen Sie mal, wohin sollen wir denn Ihre VL überweisen?" Häh? VL? Bahnhof? Schon eine der ersten Fragen der Personalabteilung - gleich nach denen zu Gehaltskonto, Sozialversicherungsnummer und Krankenkasse - bringt Berufseinsteiger regelmäßig ins Schleudern. Kein Wunder, denn VL sind eine ureigene Erfindung aus dem Berufsleben und laufen einem im Studentenleben normalerweise nicht über den Weg: Die so genannten vermögenswirksamen Leistungen sind Gelder, die viele Unternehmen zusätzlich zum Gehalt zahlen und die dem ersten kleinen Vermögensaufbau dienen sollen.Mit welchen Summen ein Mitarbeiter rechnen kann, richtet sich nach den geltenden Tarifverträgen oder Betriebsvereinbarungen des Unternehmens - von 6,45 Euro bis hin zu 40 Euro monatlich ist alles möglich. Über die Jahre kommen da mit Zins und Zinseszins schon einige tausend Euro zusätzlich zum normalen Gehalt zusammen. Ganz frei anlegen darf man die Extra-Kohle allerdings nicht, sondern muss sie in spezielle VL-Verträge investieren. Das Besondere: Die Laufzeit ist vorgeschrieben, sechs Jahre wird angelegt, danach schließt sich eine Sperrzeit von bis zu zwölf Monaten an. Nach spätestens sieben Jahren kann der Arbeitnehmer dann frei über sein Geld verfügen, wobei einige Tarifverträge wie etwa der für die Metall- und Elektroindustrie oder die Chemie mittlerweile nur noch länger laufende Verwendungen für die Altersvorsorge vorsehen.

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Gespart werden kann grundsätzlich in vier verschiedene Anlageformen: Bausparverträge und Banksparpläne stehen den Interessenten ebenso offen wie Fondssparpläne oder eine betriebliche Altersvorsorge. "Für Berufsanfänger wird in den meisten Fällen ein Aktienfonds das interessanteste Investment sein", sagt Arno Gottschalk, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Bremen. "Wer eher konservativ anlegen möchte, kann aber auch auf einen clever gestalteten Bausparvertrag ausweichen."Staat hilft sparenInsgesamt 24 Millionen Arbeitnehmer haben derzeit einen Anspruch auf vermögenswirksame Leistungen. Doch nur knapp die Hälfte von ihnen nutzt das Angebot auch wirklich. Für Arno Gottschalk ist das nur schwer nachzuvollziehen. "Die Summen sind auf den ersten Blick vielleicht nicht astronomisch. Doch wer das geschenkte Geld nicht mitnimmt, bringt sich pro Jahr um bis zu 480 Euro plus Zinsen. Außerdem vergibt er die Chance auf eine lukrative Förderung vom Staat."Denn zumindest den Geringverdienern zahlt der Staat noch die so genannte Arbeitnehmersparzulage obendrauf. Dieses Bonbon kann jedes Jahr in der Steuererklärung beantragt werden und wird zum Beispiel Ledigen ohne Kinder gewährt, wenn ihr zu versteuerndes Einkommen bei höchstens 17.900 Euro liegt. Brutto, unter Berücksichtigung der gängigen Freibeträge, kann ein Lediger rund 21.000 Euro verdienen, bevor ihm die Arbeitnehmersparzulage verwehrt wird. Kinder und Ehepartner können die Einkommensgrenze noch mal ordentlich bis auf fast 55.000 Euro in die Höhe treiben. Die Höhe der staatlichen Förderung richtet sich danach, wie viel Geld der Arbeitnehmer spart und für welche Anlageform er sich entschieden hat: "Wer seine vermögenswirksamen Leistungen in Bausparverträgen anlegt, erhält neun Prozent Förderung. Macht bei 470 Euro Erspartem gut 42 Euro im Jahr", rechnet Verbraucherschützer Gottschalk vor. Bei Aktienfonds liegt der Fördersatz sogar bei satten 18 Prozent, gewährt auf bis zu 400 Euro, also insgesamt 72 Euro.Der Clou: Die beiden Förderungen gewährt der Staat teilweise auch nebeneinander. Wer mehrere vermögenswirksame Leistungen parallel laufen lässt, kann vom Staat bis zu 114,30 Euro Zuschuss erwarten. "Selbst wer in einem Betrieb arbeitet, der keine vermögenswirksamen Leistungen gewährt, kann von der staatlichen Förderung profitieren", so Verbraucherschützer Gottschalk. In diesem Fall muss der Sparer die Beiträge zwar aus dem eigenen Nettoeinkommen bestreiten. Er streicht aber zumindest die Förderung vom Staat ein. Die Zahl der möglichen Investitionswege ist zwar beschränkt, die Produktpalette dahinter ist aber so reichhaltig, dass jeder Sparer etwas Passendes finden kann.Die Wege im Einzelnen1. Investmentfonds: Im Vergleich zu anderen Anlageformen bieten Aktienfonds die bei weitem besten Renditechancen - aber je nach Fonds natürlich auch das höchste Verlustrisiko. Der Wert der Anlage schwankt je nach Börsenlage und kann auch schon mal ins Minus rutschen. Dennoch halten Experten den Aktienfonds gerade für junge Anleger für besonders attraktiv. "Wer noch sein ganzes Berufsleben vor sich hat, hat die Zeit, sein Geld auch länger als die vorgeschriebene Laufzeit liegen zu lassen und sichert sich so im Regelfall die deutlich höheren Renditen als Bau- oder Banksparer", weiß Uwe Döhler, Finanzexperte bei der Stiftung Warentest in Berlin. Weiterer Vorteil: Wer seine VL in Aktienfonds steckt, kann die höchstmögliche staatliche Förderung - bis zu 72 Euro jährlich - einstreichen, so er denn nicht zu viel verdient. Der Haken: Die meisten Aktienfonds verlangen eine monatliche Mindestsparrate von 40 Euro.Nicht alle Fonds, die auf dem Markt sind, sind für vermögenswirksame Leistungen zugelassen, die Palette ist aber immer noch verwirrend groß. Eine Liste führt der Bundesverband Investment und Asset Management (www.bvi.de, unter Investmentfonds/Anlegen mit Fonds). Die Entscheidung, welchen Fonds man sich dann letztlich zulegt, sollte genauso fallen, wie bei einem "normalen" Fondsinvestment: Wie riskant oder konservativ hätte man es gerne? Will man mehr auf deutsche, europäische, internationale, indische oder asiatische Märkte setzen? Lieber einen gesamten Markt abdecken oder sich auf einen Schwerpunkt wie etwa Pharma, Logistik oder Biotech konzentrieren? Voll in Aktien gehen oder doch lieber eine Mischung mit Anleihen suchen? Wie bei normalen Fonds sollte man auch bei VL-Käufen die entsprechenden Bewertungen der Ratingagenturen wie S&P, Feri oder Moodys zu Rate ziehen.Und beim Kauf des Fonds lieber "über freie Fondsvermittler, die keine Ausgabeaufschläge verlangen, gehen", empfiehlt Experte Döhler. "Dort sind die Fonds meist günstiger zu haben als über die Hausbank."

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