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Ortswechsel

Spanien: Auch in der Krise bleibt es ruhig

Anne Grüttner
Im Ortswechsel berichten Handelsblatt-Autoren aus aller Welt. Spanien-Korrespondentin Anne Grüttner hat sich in Madrid umgesehen. Das Land feiert den WM-Titel. Auch jenseits des Fußballs gibt man sich entspannt. Und das, obwohl kaum ein anderes Land von der Wirtschaftskrise so hart getroffen wurde.
Anne Grüttner berichtet für das Handelsblatt aus MadridFoto: © PR
Es ist erstaunlich, wie wenig die Wirtschaftskrise in Spanien spürbar ist. Als sich abzeichnete, dass die Arbeitslosenzahl explodieren würde, richteten sich viele Spanier auf starke soziale Konflikte ein - auf steigende Kriminalität und Übergriffe gegen Immigranten.Daher wurden in Wohnvierteln weitere Überwachungskameras installiert und in meinem Apartmentblock kommt nur noch in die Tiefgarage, wer im Aufzug einen besonderen Schlüssel benutzt. Damit keiner Autos klaut. Kurzum, man igelte sich ein und harrte dessen, was da kommen sollte. Doch da kam nichts. Vor ein paar Wochen überschritt die Arbeitslosenquote die 20 Prozent-Marke, bei den unter 25-Jährigen und unter Einwanderern liegt sie noch höher.

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Doch zur allgemeinen Überraschung fiel die Kriminalitätsrate im letzten Jahr zurück auf das Niveau von Ende 2000 und landete unterhalb des europäischen Durchschnitts. Die Regierung erklärt das mit der Omnipräsenz der Polizei: Selbst im Park, wo ich mit meinem Hund spaziere, fährt mehrmals täglich ein Streifenwagen durch.Vermutlich greift eine Mischung aus vielem. Etwa, dass die Arbeitslosigkeit durch Schwarzarbeit gemildert wird. Offizielle Schätzungen gehen von einem Anteil der Schwarzarbeit an der Gesamtwirtschaft von bis zu 20 Prozent aus. Und schließlich gleichen die Spanier Krisen auch durch den verstärkten Zusammenhalt in der Familie aus, anstatt andere zu überfallen.Und dieser Tage haben die Menschen hier sowieso ein anderes Thema: Das ganze Land feiert den WM-Titel. Die wirtschaftlichen Probleme bereinigt dieser sportliche Erfolg allerdings nicht.Lesen Sie mehr von unseren Handelsblatt-Korrespondenten:
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Dieser Artikel ist erschienen am 14.07.2010

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