Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche
Social Media Recruiting

"Soziale Netzwerke haben Karriere-Potenzial"

Tina Groll / Zeit.de
Thorsten Petry, Professor für Organisation und Personalmanagement an der Hochschule RheinMain, hat eine Studie zur Nutzung von Social Media im Recruiting durchgeführt. Im Interview spricht er über Probleme und Chancen der Sozialen Netzwerke.
Thorsten Petry: Jobsuche bei Facebook & Co. hat ZukunftFoto: © Hochschule RheinMain
Herr Petry, Sie haben in einer Studie untersucht, wie Unternehmen und Jobsuchende soziale Medien nutzen. Was ist dabei herausgekommen?
Unter anderem, dass die Firmen und die Kandidaten im Netz unterschiedliche Kanäle nutzen – und zum Teil aneinander vorbei funken. Die Unternehmen nutzen soziale Medien heute öfter als früher. 71 Prozent der von uns befragten Unternehmen machen davon bereits Gebrauch. Bei den Bewerbern sind es sogar 98 Prozent. Die Zahlen dürften etwas zu hoch liegen, weil wir die Fragen im Internet gestellt haben, und dementsprechend netzaffine Firmen und Kandidaten teilgenommen haben dürften. Trotzdem sind die Daten aussagekräftig. Derzeit scheint ein Hauptproblem darin zu liegen, dass die Unternehmen vor allem Facebook, Xing und Twitter nutzen, die Kandidaten hingegen Twitter eher vernachlässigen und Facebook überwiegend privat nutzen. Die wollen dort nicht von Firmen kontaktiert werden, sondern mit ihren Freunden Privates teilen.
Das heißt im Umkehrschluss, die Firmen haben die falsche Strategie, wenn sie nach Talenten suchen?
Die sozialen Medien sind noch eine Spielwiese – für die Unternehmen und die Kandidaten. Es fehlt bislang meist noch an ausgefeilten und bewährten Strategien.

Die besten Jobs von allen

Welche Ziele verfolgen die Unternehmen in den sozialen Netzwerken?
Es gibt eine Reihe unterschiedlicher Ziele. Im Fokus unserer Untersuchung standen die Ziele im Bereich Personalsuche: Die Unternehmen wollen ihre Bekanntheit steigern und sich als Arbeitgebermarke positionieren, um interessante Mitarbeiter zu finden. Wenn Unternehmen dafür soziale Medien benutzen, bezeichnet man das als Social Employer Branding beziehungsweise Social Media Recruiting. Dabei werden neue Talente über soziale Kontakte – beispielsweise von den eigenen Mitarbeitern – gewonnen. Allerdings nutzen die Unternehmen das Potenzial, das in den Netzwerken der eigenen Mitarbeiter schlummert, noch viel zu wenig.
Wollen die Mitarbeiter das denn? Immerhin geht es hierbei auch um ihre privaten Kontakte.
Es ist doch schon jetzt üblich, neues Personal über eigene Mitarbeiter zu finden. Das Internet ist nur ein neuer Kanal. Fast jeder kennt doch die Situation, dass man eher interessiert ist, wenn ein guter Freund von einer attraktiven Stelle in seiner Firma berichtet, als wenn der Headhunter anruft oder das Unternehmen eine Anzeige in einer Zeitung schaltet. Insbesondere gefragte High Potentials nehmen diese doch gar nicht wahr.
Für kleine und mittlere Unternehmen liegt hier eine Chance. Sie leiden oft darunter, nicht bekannt genug zu sein. Das lässt sich auch durch eine Facebook-Seite nicht einfach ändern. Die Wahrscheinlichkeit, jemanden zu finden, der zum Unternehmen und zur Region passt, dürfte dagegen hoch sein, wenn man über die eigenen Mitarbeiter sucht oder suchen lässt. Natürlich funktioniert so ein Recruiting nur, wenn die eigenen Mitarbeiter aktiv und freiwillig auf offene Stellen in ihren Profilen hinweisen.

Der Jobturbo

Eine Suche - alle Jobs

KOSTENLOSER DOWNLOAD

Fair Company | Initiative