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Rote Karte für den Chef
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Cheffing

So zähmen Sie Ihren Chef

Daniel Rettig, wiwo.de
Sie wollen ein neues Projekt beginnen, mehr verdienen, lieber von zu Hause arbeiten – doch Ihr Chef sagt Nein? Kein Grund, gleich aufzugeben. Mit diesen Tipps lernen Sie, seinen Widerstand zu brechen – und Ihre Ziele elegant durchzusetzen.
Stanford-Professor Robert Sutton taufte sein weltweit gefragtes Buch über Despoten in Nadelstreifen "Arschloch-Faktor". Zu den Erfolgstiteln des deutschen Karriereautors Martin Wehrle gehört "Das Chefhasserbuch". Und unter dem Pseudonym Katharina Münk berichtete eine Vorstandssekretärin über ihren Vorgesetzten. Der Titel: "Und morgen bringe ich ihn um".

Nimmt man Verkaufszahlen von Sachbüchern als Indiz, war das Verhältnis von Chefs und Mitarbeitern nie so schlecht.

Das belegte vor wenigen Monaten auch eine Umfrage der Personalberatung Intersearch Executive Consultants. Jeder dritte Befragte war mit seinem Boss unzufrieden. Die einen vermissten die Fähigkeit zu motivieren, anderen mangelte es an Glaubwürdigkeit oder Persönlichkeit.

Projektionsfläche für Frust und Missgunst

"Die Ergebnisse überraschen nicht", sagt Intersearch-Manager Thomas Bockholdt. Mangelnde Führungskompetenz sei einer der häufigsten Gründe für vorzeitige Entlassungen im Management. "Außerdem scheitert die Zusammenarbeit oft daran, dass ein Top-Manager nicht zur Unternehmenskultur passt."

Es ist verständlich, sich in Kantinen und Kaffeeküchen über den eigenen Vorgesetzten zu mokieren. Der Chef dient als Projektionsfläche für Frust und Missgunst. Angeblich lästert jeder Deutsche im Schnitt vier Stunden pro Woche über seinen Chef.

"Managing your Boss"

Druck und Ärger abzulassen kann kurzfristig helfen. Besser wäre es, sich in die Rolle des Vorgesetzten hineinzudenken. "Wer ganz nach oben will, muss mit seinem Vorgesetzten umgehen können", sagt auch die Psychologin Felicitas von Elverfeldt, die seit fast 20 Jahren Führungskräfte in Großkonzernen coacht. "Je höher die Hierarchieebene, desto wichtiger wird diese Fähigkeit."

Am besten so, dass der eigene Chef es nicht merkt. "Managing your Boss", heißt das bei den Angelsachsen, "Cheffing" oder "Führen nach oben" nennen es die deutschen Personalexperten – gemeint ist stets dasselbe: Es geht darum, zu agieren, statt zu reagieren. Sich nicht nur vom eigenen Vorgesetzten lenken zu lassen, sondern ihn selbst zu lenken.


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