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Medientraining

So wirken Manager besser vor der Kamera

Christoph Stehr
Bei Interviews vor der Kamera agieren Führungskräfte häufig unbeholfen. Medientrainer helfen, sie ins rechte Licht zu rücken.
Interviews vor der Kamera wollen gelernt sein.Foto: © Vladimir Mucibabic - Fotolia.com
Die "Sauerei" kam richtig gut. Ein Wort, stark wie ein Kutschpferd, das mühelos die Unschuldsbeteuerung von René Obermann durch alle Medien zog. Der Telekom-Chef hatte in einem Interview zu seiner Rolle im Bespitzelungsskandal gesagt: "Wenn jemand behauptet, ich sei in diese Affäre verwickelt, ist das eine Sauerei." Sonst zitieren Zeitungen, Fernsehen und Online-Dienste ungern die Konkurrenz, aber der "Sauerei" konnte keiner widerstehen. Hätte René Obermann das gleiche Echo gefunden, wenn er nur über eine schlappe "Unwahrheit" erbost gewesen wäre? Ein Kraftausdruck zur rechten Zeit wirkt ehrlich und spontan, auch wenn ein Zeitungsinterview zu einem abgesprochenen Thema tatsächlich so spontan ist wie ein Empfang beim Bundespräsidenten.Da rutscht nichts raus, sondern etwas, das sorgsam vorbereitet ist, wird rausgelassen. Medientrainer bringen Managern bei, wie man mit Sprache, Gestik und Mimik Sympathien weckt. Wer durch diese Schule geht, kann beispielsweise in einer Fernsehsendung vieles besser verkaufen - miese Quartalszahlen, eine gescheiterte Übernahme, Entlassungen oder eben das Bespitzeln von Aufsichtsräten und Journalisten. Wenige Tage später, als Obermann in der Bonner Telekom-Zentrale vor 1000 Beschäftigten sprach, modulierte er die Tonart leicht: "Sie können mir glauben, ich bin stinksauer über das, was abgelaufen ist." Der Konzernchef kündigte an, die Affäre lückenlos aufzuklären.

Die besten Jobs von allen

Als Aufklärungsgeschwader hatte er seinen kompletten Vorstand mitgebracht, außerdem Ex-Bundesrichter Gerhard Schäfer, der ein neues Sicherheitskonzept erarbeiten soll. Diese Informationsveranstaltung ließ sich das Unternehmen einiges kosten - unter anderem den Bus-Transfer der Mitarbeiter aus dem ganzen Bundesgebiet. "In dieser Krise ist Obermann gewachsen, was sein Medienverhalten betrifft", sagt der Kölner Medienberater Pietro Nuvoloni. Bislang war der Telekom-Manager nicht durch besondere Pressetauglichkeit aufgefallen. Im Gegenteil: Vor der Kamera wirkt er manchmal immer noch hölzern bis hilflos, und dieser Blick, als käme er gerade vom Konfirmandenunterricht, mag zum Beispiel bei Moderator Günther Jauch auf ein tiefes Wasser hinweisen, bei Obermann nicht.Aber er hat insgesamt aufgeholt, sicher auch dank der Tipps, die ihm seine Freundin, die ZDF-Journalistin Maybrit Illner, gibt. Wer keinen privaten Coach wie Obermann an seiner Seite hat, dem rät die Hamburger Trainierin Ulla Wiegand zu "Offenheit als bestem Rezept gegen Vorurteile und Fehlinformationen. Denn einer der häufigsten Fehler ist es, Journalisten von vornherein als Gegner zu betrachten. Vielmehr kommt es darauf an, die Spielregeln der Informationsgesellschaft anzuerkennen." Spielregel Nummer eins: Reden ist Gold, nicht Silber. Der Journalist schreibt zwar, was er will, aber er lässt sich durch geschickte Kommunikation lenken. "Ein mediengewandter Manager freut sich bei einer Interviewanfrage und sieht die Medienpräsenz als Chance für sich und sein Unternehmen an", sagt die Münchener Trainerin Sabine Appelhagen.

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