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Geld für Gründer
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Gründerkapital

So kommen Start-ups an Geld

Teil 3: Für mehr Transparenz in der Investorenszene

Um das zu ändern, wechselte der erfahrene Risikokapital-Manager zu Jahresbeginn ins europäische Büro von AngelList in Berlin. Das US-Unternehmen bietet Gründern die Möglichkeit, sich mit Geldgebern zu vernetzen und Investments publik zu machen. Weltweit haben sich auf AngelList rund 300.000 Unternehmen und mehr als 30.000 Investoren registriert – die meisten davon in den USA.

Jetzt will AngelList auch die hiesige Investorenszene transparenter machen – knapp 2000 Gründer und 600 Kapitalgeber aus Deutschland haben sich mittlerweile auf der digitalen Plattform angemeldet. Moehrings Tipp: "Du musst alle wissen lassen, dass du gerade Kapitalgeber suchst – das hilft."

Angebote hinter der Bezahlschranke


Wanja Oberhof musste das erst lernen. Er gründete 2007 ein Unternehmen, das aus verschiedenen Nachrichtenquellen individuelle Zeitungen nach Leserwunsch generierte, druckte und auslieferte. Sein Mitgründer hatte sein Erbe, er selbst seine Ersparnisse investiert. 2011 beendeten sie das Projekt. "Uns wurde klar", sagt Oberhof, "dass wir unsere individualisierte Zeitung als App für Tablet-PCs und Smartphones anbieten müssen statt auf Papier."

Also gründete er ein zweites Mal und entwickelte mit dem Unternehmen Niiu eine App, mit der Nutzer Inhalte aus vielen verschiedenen Quellen lesen können – die Lokalzeitung genauso wie die "New York Times". Wer für seine Wunschzeitung knapp 15 Euro pro Monat zahlt, kann sogar auf Angebote hinter den Bezahlschranken der Verlage zugreifen. Inzwischen haben mehr als 1000 Nutzer die Bezahlversion gebucht, das Start-Up beschäftigt 25 Mitarbeiter.

Hilfreiche Gründertagung

Geholfen hat Oberhof beim zweiten Anlauf vor allem, dass er frühzeitig Medienunternehmer als Investoren gewann. In diesem Sommer besorgte sich der Jungunternehmer schließlich rund 900.000 Euro Forschungszuschuss und -darlehen von der Investitionsbank Berlin.

Auf das Förderprogramm hatte ihn der Generalbevollmächtigte der Bank am Rande einer Gründertagung hingewiesen. Um mit Niiu auch international wachsen zu können, will Oberhof bald die nächsten Millionen einsammeln – bei institutionellen Risikokapitalgebern.

Und es geht doch...

So wie Gründerin von Hardenberg. Bald nach der Starthilfe durch ihren Vater stellte ihr ein Bekannter den Investor Christophe Maire vor, der sich an ihrem Unternehmen beteiligte. Kurz darauf sammelte sie über die Crowdinvest-Plattform Seedmatch rund 100.000 Euro von 167 Investoren ein.

Inzwischen ist auch die nächste Finanzierungsrunde gesichert: Im August beschlossen die Osnabrücker Intan Group und Hardenbergs Alt-Investoren, sich mit einem siebenstelligen Betrag an Bloomy Days zu beteiligen. Genug Geld, um etwa in TV-Werbung zu investieren. Und ein Grund zum Feiern: Nach dem Notartermin ließ von Hardenberg für die Mitarbeiter zwei Flaschen Champagner springen.

Zuerst veröffentlicht auf wiwo.de
Dieser Artikel ist erschienen am 22.09.2014

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