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Geld für Gründer
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Gründerkapital

So kommen Start-ups an Geld

Teil 2: Förderer finden

Knapp 2,8 Milliarden Euro stehen für kleine und mittelgroße Unternehmen zur Verfügung – weder sind Zinsen fällig, noch müssen Unternehmer Firmenanteile abgeben. Dennoch: "Bisher war die Resonanz auf das Programm eher gering", sagt Chatterjee, "dabei kann es die Start-up-Szene enorm weiterbringen."

Tim Pohlmann wurde auf der Suche nach Kapital nicht in Brüssel, sondern in Berlin fündig. Der promovierte Volkswirt hat lange an der TU Berlin erforscht, wie sich aus statistischen Daten Technologietrends und Marktentwicklungen ableiten lassen. Als er merkte, wie groß das Interesse bei Unternehmen daran ist, kündigte er 2013 seine Stelle als Wissenschaftler und gründete zusammen mit dem Informatiker Dmitri Gerats selbst eines. IPlytics war geboren.

Ihre Geschäftsidee: Eine Online-Plattform, auf der Unternehmen Millionen von Patentdaten, Forschungsergebnisse und Produktbeschreibungen durchsuchen und auswerten können, um Technologien der Zukunft zu identifizieren und ihre Konkurrenten im Blick zu behalten.

Staatliches Stipendium

Den Start sicherte der Staat: Exist, ein Gründerstipendium des Bundeswirtschaftsministeriums, finanzierte den Unternehmern zwölf Monate lang ihren Lebensunterhalt und unterstützte sie mit Coachings. Das Stipendium sei zwar "etwas bürokratisch", sagt Pohlmann, "aber unverzichtbar".

Die große Nachfrage von Konzernen wie Siemens, Deutsche Telekom und Bosch setzte die Gründer unter Wachstumsdruck: Um eine GmbH zu gründen, Entwickler einzustellen und die Plattform weiterzuentwickeln, mussten sie Geld in die Hand nehmen. "Uns war klar", sagt Pohlmann, "wir brauchten Business Angels."

Also Privatinvestoren, die nicht nur mit Kapital, sondern auch mit Know-how weiterhelfen. Und bei gewichtigen Entscheidungen gern ein Wörtchen mitreden. Ihr Engagement lassen sie sich mit Unternehmensanteilen bezahlen, um diese nach einigen Jahren mit Gewinn zu versilbern.

Überzeugender Zuschuss

Den ersten dieser Geldgeber fanden die Gründer in Pohlmanns Doktorvater. "Anfangs war er skeptisch", sagt Pohlmann. Dann erzählten andere Gründer ihm vom Wagniskapitalzuschuss namens Invest, mit dem der Staat seit 2013 Business Angels ködern will. Er erstattet ihnen 20 Prozent ihres Investments, wenn sie sich an einem jungen innovativen Unternehmen beteiligen. Seit Mai 2013 hat das Bundeswirtschaftsministerium nach eigenen Angaben rund 9,2 Millionen Euro für mehr als 620 Beteiligungen bewilligt und damit über 45 Millionen Euro für Start-ups mobilisiert.

Ein kleiner Teil davon floss auch an Pohlmanns Doktorvater, nachdem er sich mit einem niedrigen fünfstelligen Betrag an dem jungen Unternehmen beteiligt hatte. "Der Zuschuss war ein Trumpf in den Gesprächen“, sagt Pohlmann, "er hat uns geholfen, leichter Geld einzusammeln."

Welt der Geldgeber ist undurchsichtig

Jetzt suchen er und Gerats nach weiteren Privatinvestoren: Auf der Internet-Seite des Business Angels Netzwerks Deutschland haben sie sich ins sogenannte Invest Verzeichnis eingetragen, in der förderfähige Start-ups gelistet sind. Prompt meldeten sich zwei interessierte Geldgeber – in Kürze steht das erste Gespräch an.

Passende Business Angels zu finden fällt vielen Gründern allerdings schwer – besonders, wenn sie zum ersten Mal ein Start-up aufbauen und keine Kontakte besitzen. "Die Welt der Geldgeber ist intransparent wie eine Blackbox", sagt Philipp Moehring. "Gründer können kaum erkennen, wer zu ihrem Unternehmen passt."

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